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Joseph ist unersetzlich – wie alle Väter

Joseph ist unersetzlich – wie alle Väter

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von Dr. Ursula Schoen, Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt

Viele Väter kommen sich im Kreissaal recht überflüssig vor. Alle Augen richten sich auf die werdende Mutter. Dem Kind und ihr soll es gut gehen. Die ganze Aufmerksamkeit ist bei ihr. Klar, die Väter können die Hand halten, den Bauch massieren und liebevolle Worte finden, aber das eigentliche Feld gehört anderen. So ist das an der Weihnachten auch: Alle schauen auf Maria. Sie steht im Mittelpunkt der Krippenbilder. Maria mit dem Kind. Sie nimmt Gottes Kind in sich auf. Durch sie wird Gottes Plan Fleisch und Blut. Darum sieht man sie lächelnd auf Jesus in ihren Armen blicken.

Joseph steht auf vielen dieser Bilder oft etwas abseits. Wie die Väter im Kreissaal erscheint er eher als Beigabe. Nachdenklich stützt er sich auf einen Stock. Manchmal scheint er sogar zu schlafen. Sein Verstand versucht vergeblich, das Wunder dieser Geburt zu fassen.

Meistens trägt Joseph einen dunklen Mantel. Dieser Mantel ist nicht nur ein Hinweis auf die Temperaturen einer Winternacht. Natürlich schützt der Mantel ihn, aber er weist ihn auch als jemanden aus, der selber Schutz geben kann. Im Mittelalter gab es die sogenannten „Mantelkinder“. Das waren Kinder, die keinen legalen Status hatten, keine bürgerlichen Rechte. Sie waren unehelich geboren. Solche Kinder wurden häufig von Fremden aufgenommen, „Nährväter“ nannte man sie. Sie nahmen diese Kinder unter ihren Schutz – bildlich „unter ihren Mantel“. Die Kinder wurden in ihre Familien aufgenommen und dort großgezogen. Sie erhielten auf diesem Weg einen eigenen Stand in der Gesellschaft.

Joseph wird für Jesus zu einem „Nährvater“, indem er die schwangere Maria heiratet. Er gibt dem Kind ein Schutz und einen Namen. Dadurch tritt Jesus aus dem Schattendasein und erhält einen legalen Status, gewissermaßen ein Mensch mit Papieren! Er wird einer aus dem Stamm Davids, dem Stamm Josephs, und Angehöriger einer Familie. Dadurch wird Joseph zum Erfüller der prophetischen Vision, dass der Retter aus dem Haus Davids kommen wird. Joseph hat also eine eigene und unersetzliche Rolle in der Heilsgeschichte Gottes gespielt, indem er einen Schutzraum für dieses Kind geschaffen hat. Später wird er diese Rolle auf der Flucht nach Ägypten wieder haben.

Nicht auszudenken also, wie die Geschichte weitergegangen wäre, hätte es Joseph nicht gegeben. Nicht auszudenken, wo wir ohne die Väter stehen würden. Ja – nicht zuletzt ohne alle die Menschen, die anderen Schutz und Würde geben.

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