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Puya - ein unbegleiteter Flüchtling kommt in eine deutsche Schule

Puya - ein unbegleiteter Flüchtling kommt in eine deutsche Schule

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von Dr. Anke Spory, Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim

Puya ist ein sechs Jahre alter Junge. Vor einigen Wochen ist er wie viele Kinder in Hessen eingeschult worden. Nun lernt er, Buchstaben und Zahlen zu schreiben wie alle anderen auch. Doch: Puyas Situation ist eine besondere. Vor einigen Monaten ist er mit seiner Familie aus dem Iran geflohen. Zusammen wohnen sie nun mit zwei anderen Familien in einer Vier-Zimmer-Wohnung.

Wie Puya sind in den letzten Wochen viele Kinder und Jugendliche aus dem Iran, Äthiopien, Syrien oder anderen Krisen- und Kriegsgebieten der Welt nach Deutschland gekommen. Aber nicht alle kommen mit ihren Eltern. Viele kommen als sogenannte unbegleitete Flüchtlinge. Sie sind minderjährig und ohne Familienangehörige aus ihrer Heimat geflohen. Als Mutter ahne ich, wie verzweifelt die Eltern dieser Kinder sind, denn niemand schickt sein Kind freiwillig und ohne Not von zu Hause weg.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef hat im September eine Studie herausgegeben. Demnach ist jeder dritte Flüchtling, der nach Deutschland einreist, ein Kind oder ein Jugendlicher. Bundesweit leben schätzungsweise 65.000 Flüchtlingskinder mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Auch wenn sie es nach Deutschland geschafft haben, ihre Situation ist schwierig.

Flüchtlingskinder sind oft in Unterkünften untergebracht, die ihnen und ihren Familien wenig Privatsphäre lassen. Sie werden medizinisch nur dann behandelt, wenn sie ganz akut krank sind. Doch viele von ihnen kommen mit traumatischen Erfahrungen in Deutschland an. Sie brauchen Menschen, die dafür ausgebildet sind, ihnen zu helfen, oft längerfristig.

Die Bibel spricht oft von Menschen, die in einem fremden Land leben. Denn: Das Volk Israel selbst musste Sklavenarbeit für den ägyptischen Pharao verrichten. Die Israeliten haben die Ziegel gebrannt und die Pyramiden damit gebaut. Sie mussten dafür sorgen, dass die ägyptischen Scheunen voll waren. In der Situation beruft Gott Mose, das Volk Israel aus der Sklaverei zu befreien. Er führt sie 40 Jahre durch die Wüste, bis sie endlich im Gelobten Land ankommen.

Sie waren befreit. Daran sollten die Israeliten auch selbst denken, wenn sie dann Fremden begegnen. So heißt es im 3. Buch Mose: Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen. (3. Mose 19,33).

Selbst ein Fremdling zu sein, das haben die meisten Menschen, die in Deutschland aufwachsen, sind zum Glück nicht machen müssen. Aber Puya und all die anderen Kinder und Jugendlichen brauchen Menschen, die ihnen helfen, sich bald heimisch zu fühlen.

Der Name Puya übrigens ist persisch. Er bedeutet: Einer, der sucht. Hoffen wir für Puya, dass er nicht nur sucht, sondern auch Menschen findet, die ihn willkommen heißen und wohlwollend aufnehmen. In seiner Schulklasse hat das schon geklappt.

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