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Hilfe in Aleppo

Hilfe in Aleppo

Ein Beitrag von Frank Fornacon, Pastor evangelische Freikirche

In Aleppo in Syrien waren einmal fast zwei Millionen Syrer zu Hause. Heute leben nur noch einige zehntausende zwischen den Trümmern. Es gibt kaum noch Wasser, Lebensmittel sind rar. Immer noch wird gekämpft. Der Pastor einer kleinen protestantischen Gemeinde erzählt, warum er und der größte Teil seiner Baptistengemeinde noch immer in Aleppo sind. Bei einer internationalen Konferenz bittet er um Unterstützung für die Flüchtlinge und Gestrandeten, um die sich seine Gemeinde kümmert.

Er sagt: „Wir sahen uns vor die Wahl gestellt, zu flüchten oder zu bleiben. Die Entscheidung war „to leave or to love“, zu gehen oder zu lieben. Wir haben uns dafür entschieden, zu bleiben und zu lieben.“ Zunächst hatten sie einfach ihre Kirche geöffnet und die Leute von der Straße hereingebeten. Das war für die Christen ein mutiger Schritt. Bis dahin hatten sie kaum Kontakt zu ihren muslimischen Nachbarn gehabt. Man lebte lieber innerhalb der christlichen Gesellschaft. Auch die Muslime blieben unter sich. Aber jetzt war die Tür offen. Und die Menschen kamen, Chaldäische Christen, Armenier, Muslime der unterschiedlichen verfeindeten Gruppen, Sunniten, Schiiten.

Während der Konferenz ergriff auch ein Pastor aus Ägypten das Wort. Seine Kirche gehörte zu den über sechzig Gotteshäusern, die nach dem Sturz des Präsident Mursi von fanatischen Islamisten niedergebrannt wurden. „Wir werden oft gefragt, wie wir damit umgehen, dass unsere Nachbarn unsere Kirchen angezündet haben, ob wir sie hassen? Dann sage ich immer: Wenn ein Blinder dich anrempelt oder deinen Obststand umwirft, weil er nicht richtig sehen kann, bist du ihm doch auch nicht böse. Wir glauben, dass diese Fanatiker blind waren vor Hass. Wir müssen ihnen und uns eine Chance geben, wieder Freunde zu werden.

Viel zu verteilen gibt es nicht in Aleppo, aber ein gutes Wort ist manchmal wichtiger als alles andere. Kontakte in den Libanon ermöglichten es dann aber, Hilfe zu organisieren. Brot, Wasser, Decken. Spenden aus Deutschland und den USA machten das möglich. Jeden Tag bieten die ehrenamtlichen Mitarbeiter den Kindern die Chance mit Stiften und Farben, mit Bällen und Liedern auf andere Gedanken zu kommen. Der Pastor berichtet: „Die Leute sind total verstört, nachdem ihre Heimat in Trümmern liegt. Darum Laden wir zum Gespräch ein. So können sich die Leute die Sorgen von der Seele reden.

Mitten im Krieg investieren die Baptisten in die psychische Gesundheit dieser Kinder. Sie werden morgen vielleicht wieder vertrieben, wenn ihr Stadtviertel unter Beschuss gerät. Vor zwei Jahren kümmerte sich die Gemeinde um zwanzig Familien, dann waren es vier oder fünfmal soviel. Heute nutzen mehrere tausend Menschen die Hilfsangebote. Es spielt keine Rolle mehr, ob jemand Muslim oder Christ ist. In der Not ist jeder willkommen – jeder.

Die wenigen Gemeindemitglieder kommen sich vielleicht manchmal vor wie die Jünger Jesu. Als der einmal mit vielen hungrigen Menschen zu tun hatte, bat er seine Freunde: „Gebt ihr ihnen zu essen!“. Realistisch war das nicht, aber am Ende reichte es. Gott hatte mehr als genug geschenkt. In Deutschland diskutieren wir, ob wir genug Platz und Geld haben, um mehr syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Die kleine evangelische Gemeinde in Aleppo hat zwar fast nichts, aber sie fragt sich zuerst: Was brauchen die Menschen, die vor ihrer Tür stehen?

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