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Sich an die eigene Taufe erinnern: Wasser des Lebens

Sich an die eigene Taufe erinnern: Wasser des Lebens

Ein Beitrag von Prof. Dr. Ilona Nord, Evangelische Pfarrerin und Professorin für Religionspädagogik, Würzburg

Wir brauchen es zum Tee und Kaffee kochen, zum Waschen und zum Duschen, zum Gießen und ja, auch zum Taufen: Es geht mir ums Wasser. Wasser, das ist Leben. Aus dem Wasser kommt alles Leben, und ohne Wasser gibt es kein Leben.

Es war in Israel am Jordan, vor ungefähr zweitausend Jahren. Da ließ sich Jesus von Johannes dem Täufer im Flusswasser taufen. Damals hatte man die Sitte, dass man ganz im Flusswasser untertauchte. Auch heute machen das manche Christinnen und Christen noch so. Im Wasser ganz unterzutauchen, das heißt alle Poren des Körpers mit Wasser zu reinigen. Das heißt im religiösen Sinne auch: abzuwaschen und untergehen zu lassen, was uns von Gott trennt, von uns selbst und von unseren Nächsten.

Ich finde: Im Sommer lässt sich der Sinn dieses christlichen Wasserrituals besonders gut verstehen. Sommer, das ist Badezeit. Die Freibäder sind offen, je heißer es wird, desto mehr freut man sich, in kühles Wasser eintauchen zu können. Das kann gut tun, Leib und Seele entspannen und man kommt zu sich.

Zur Taufe allerdings gehört neben dem Wasser auch noch ein Segenswort hinzu. Das grundlegende Element des Lebens kann schließlich verschieden gedeutet werden.  In christlicher Perspektive ist die Taufe mit Wasser eine Liebeserklärung, die Gott dem Menschen macht. In der Bibel wird dies eindrücklich erzählt. Als Jesus getauft wird, fliegt eine Taube vom Himmel und eine Stimme sagt: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ (Lk.3, 22)

In diesem alten Satz steckt alles, was die Taufe auch heute Menschen sagen und geben soll. Die Taufe ist das Ja-Wort zum Leben. All das, was beschwert, wird abgewaschen und geht unter. Erst dann ist es möglich, dass man wieder Neues wahrnimmt. Zum Beispiel die Tiefe des Wortes, das einem in der Taufe zugesprochen worden ist: „Du bist ein Kind Gottes. Ein großes Ja steht über Deinem Leben!“,  “Du bist gewollt und geliebt.“

Für viele Menschen ist es nicht einfach, dieses Wort anzunehmen und es auf sich selbst zu beziehen. Da haben sich möglicher Weise einige Erfahrungen angesammelt, die haben einem genau das Gegenteil vermittelt. Dennoch bleibt, dass das Leben ein Geschenk ist. Auch wenn es eine hochsensible Sache ist, sich darüber klar zu werden, wie es zu diesem Geschenk denn gekommen ist. Wurde es einem mit großer Freude geschenkt oder hat man immer wieder zu spüren bekommen, dass es für die Mutter, für den Vater oder auch für andere eine ziemliche Last war?

Wie auch immer man diese Frage beantwortet, letztlich bleibt es die Kunst des Lebens, das große ‚Ja‘, das Gott vorspricht, aufzugreifen und selbst nachzusprechen. Man muss das nicht sofort selbst können. Man kann sich auch darauf verlassen, dass es Vieles gibt, was einem dabei helfen kann. Manchmal ist  es einfach nur Wasser. Eintauchen und abwaschen, was mich von anderen, von mir selbst und von Gott trennt.

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