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Im Grunde ist das Leben einfach
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Im Grunde ist das Leben einfach

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von Dr. Ulf Häbel, Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen

Die einfachen Feste sind einfach am schönsten. Das ist die Überschrift über eines Gedichtes, in dem jemand das einfache Leben preist. Er vergleicht ein Fest, das lange geplant wird, das viel Organisation und Aufwand braucht mit einem einfachen Fest, wie er es nennt, ein spontanes Treffen vorm Haus oder im Garten.  Ich finde, die Gegenüberstellung stimmt nicht generell: spontanes Zusammentreffen und Feiern kann herrlich sein. Planen und dann nach Herzenslust feiern aber auch. Nur zu aufwendig und kostspielig soll ein Fest nicht sein.

In diesem Jahr wird es in unserem Dorf keine Kirmes geben. Sie ist zu aufwendig geworden; wir schaffen es nicht mehr. Für die vier Tage Kirmes, brauchten wir ungefähr einhundertzwanzig freiwillige Helfer, die das Zelt auf- und abbauen, die Bier zapfen oder kellnern, die auf der Bühne etwas darbieten oder aufräumen. Und wir müssten ungefähr zwanzigtausend Euro umsetzen, damit wir Zeltmiete, Musikkapelle, Gebühren und Abgaben bezahlen könnten. Das ist zu aufwendig. Es geht nicht mehr. Nun versuchen wir es einfacher – ein kleines Fest, nur einen Tag auf dem Platz an der Kirche oder mitten im Dorf. Da gibt es dann etwas zu essen und zu trinken, vielleicht ein bisschen Gesang und Tanz und viel Spaß.

Ein Dorf in unserer Nachbarschaft hat es seit Jahren schon so gemacht. Einmal im Jahr ist Dorffest statt der aufwendigen Kirchweih. Überall im Dorf sitzen die Leute einfach zusammen – auf dem Hof, auf der Straße vor dem Haus, in Garagen und Scheunen. Wer vorbeikommt und Lust hat, setzt sich dazu und feiert mit. Und die Leute dort sagen auch, dass dieses einfache Fest einfach schön ist. Ich glaube, dass im Grunde das ganze Leben einfach ist. Was brauchst du eigentlich mehr als etwas zu essen und zu trinken, einen Arbeitsplatz, ein Dach über dem Kopf und ein paar gute Menschen, bei denen du daheim bist.

Das meinte einmal ein alter Mann zu mir bei einem Straßenfest, das vor seinem Haus gefeiert wurde. Im Grunde ist das Leben einfach, hat er gesagt; an der Oberfläche machen wir es oft kompliziert. Da soll immer alles lange im Voraus geplant, gut organisiert und abgesichert sein – eben perfekt statt einfach. Doch das Leben ist nicht perfekt; es hat und braucht seine Widersprüche und Fehler und vielleicht stimmt es: Wer fehlerfreundlich ist, hat’s einfacher im Leben. Wer immer perfekt sein will, der verkompliziert das Leben und macht sich selbst und andere fertig.

Im evangelischen Kirchengesangbuch steht ein schönes Lied. Es heißt: Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt. In dem Lied werden die Menschen selig genannt, die sich einfach dem anderen Menschen zuwenden. In der einfachen Begegnung liegt das, was man selig nennen kann, das heißt: Glück und Erfüllung im Leben. Selig -  gut dran - seid ihr,  wenn ihr lieben lernt, wenn ihr Güte wagt, wenn ihr Frieden macht.  Das einfache Leben ist einfach am schönsten.

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