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Maria und Martha

Maria und Martha

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von Dr. Anke Spory, Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim

Das soll Jesus sein? Schießt es mir durch denk Kopf, als ich vor dem Gemälde von Emil Nolde stehe. Jesus ist offenbar der Mann in einem langen roten Gewand mit roten Haaren und vollen Lippen. Er wendet sich einer sitzenden Frau zu seiner Rechten zu. Sie hört ihm offensichtlich intensiv zuhört. Sie hängt sozusagen an seinen Lippen. Auf der anderen, linken Seite von Jesus steht eine Frau. Sie reicht Jesus fast aufdringlich eine Schale mit Obst, und das mit schelmischen, ja fast forderndem Blick.

Das Bild von Emil Nolde heißt „Christus in Bethanien“. Zur Zeit ist es zu sehen in der Ausstellung im Frankfurter Städel Museum, noch bis zum 15. Juni. Emil Nolde hat die drei in lustvoller Harmonie gemalt. Ein nettes Trio, so denkt man. Aber, war das wirklich so? Ich bin irritiert. So harmonisch habe ich die Geschichte gar nicht in Erinnerung. Da muss ich doch noch mal gucken und schlage sie im Lukasevangelium nach. (Lukas 10, 38-42) Jesus ist zu Gast im Haus bei Martha und ihrer Schwester Maria. Martha bedient die Gäste. Sie will, dass es ihnen an nichts fehlt. Sie ist beschäftigt. Maria, ihre Schwester aber setzt sich zu Jesus und hört ihm zu.

Das findet Martha offensichtlich nicht richtig. Sie bedient und sorgt für die Gäste und ihre Schwester Maria tut nichts. Sie hört einfach nur zu. Martha fordert Jesus auf, Maria zu sagen, dass sie ihr helfen soll. Sie ist sich sicher, dass er das Verhalten ihrer Schwester genau so unangemessen findet wie sie. Jesus antwortet nicht so, wie Martha es erwartet. Er entgegnet ihr: „Marta, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden!“

Jesus stellt sich also  hinter Maria! Sie hat Recht, sagt er damit. Er beschwichtig nicht, er sagt noch nicht mal zu Martha: Du machst das doch auch gut. In der Geschichte finde ich keine Spur davon, dass die drei so einträchtig nebeneinander sitzen wie auf dem Bild von Emil Nolde. Das soll Jesus sein? Ich bin froh, dass mich das Bild wieder zu der Geschichte geführt hat. Denn Jesus bezieht eindeutig Position. Und das mit recht schroffen Worten.

Aber, was heißt das eigentlich? Maria hat den guten Teil erwählt? Es gibt Momente, da muss man mal alle Verpflichtungen zur Seite legen. Die Hausarbeit und was noch alles getan werden muss. Es gibt Momente, da hält einen die Geschäftigkeit ab, zu sehen, was gerade jetzt dran ist. Da ist man so gefangen in seinen Gedanken an das, was noch zu tun ist, dass einen etwas anderes gar nicht erreicht. Martha ist da, aber eigentlich ist sie nicht anwesend. Innerlich ist sie nicht da. Ich kenne so was. Gut, dann zu fragen, was wirklich not tut im Moment, was wirklich dran ist.

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