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Heiligenschein

Heiligenschein

Ein Beitrag von Janine Knoop-Bauer, Evangelische Pfarrerin, Darmstadt

„Mama, wozu braucht man eigentlich einen Heiligenschein?“ Mein Sohn fragte so, als wir vor einem Bild der Heiligen Elisabeth von Thüringen standen. Auf dem Bild verteilte sie Brot an Arme. Ganz groß hatte der Maler Elisabeths Kopf mit einem goldenen Kreis umgeben. „Ja, wozu braucht man den eigentlich? Vielleicht als Hinweis: Dieser Mensch hat ein gutes Leben geführt. Auch, damit man erkennen kann: Der oder die mit dem Heiligenschein, sind die Besonderen. Auf die kommt es an in dem Bild.“

Mein Sohn fand das ungerecht„ Und was ist mit dem anderen, der keinen Heiligenschein hat. Ist der nicht wichtig?“ Fünfjährige haben ein großes Talent für herausfordernde Fragen wie die nach dem Heiligenschein. Wer trägt ihn? Und warum? Er ist keine Erfindung des Christentums, soviel steht fest. Auch vorher wurden Menschen mit Heiligenschein dargestellt. Kaiser tragen Heiligenscheine auf alten Münzen als Zeichen ihrer Göttlichkeit. Römische Götter werden mit Heiligenschein dargestellt. Und dann eben auch Jesus und seine Apostel. Der Heiligenschein weist darauf hin: Diese Personen sind besonders. Besonders gut. Besonders göttlich.

Im Neuen Testament wird dagegen nicht von Heiligenscheinen erzählt. Dort ist auch nicht die Rede von einzelnen Heiligen. Nur von Johannes dem Täufer wird einmal gesagt, er sei ein heiliger Mann gewesen. Aber sonst. Es sind immer  viele, die als Heilige bezeichnet werden. Die Heiligen treten immer als Gruppe auf. Es gibt zum Beispiel einen Brief an die Heiligen in Rom. Heilig werden alle genannt, die sich zu Jesus Christus bekennen und sich im Namen des dreieinigen Gottes haben taufen lassen. Mehr nicht. Heilig sind alle die, die zu Gott gehören.

Und das finde ich auch gut so. Sicher gibt es Menschen, die ein besonders Leben geführt haben. Ihr Vorbild hat bis heute eine große Strahlkraft. Elisabeth von Thüringen gehört zu ihnen. Sie war mutig und selbstlos. Aber auf den Bildern der Heiligen sieht es immer so aus, als ob sie den Heiligenschein dauernd mit sich getragen hätten. Als ob es ihnen gelungen wäre, ständig und immer nur gut zu sein. Das kann ich mir nicht vorstellen. Jeder Mensch kennt  Momente, in denen er sich schwach fühlt. Selbst Elisabeth wird ihren Heiligenschein vorübergehend an den Nagel gehängt haben.

Und dann gibt es auch solche Menschen, die nie ein besonderes Leben geführt haben und dann doch was Gutes tun. Der Mann auf dem Bild zu Beispiel, der das Brot von Elisabeth bekommt. Vielleicht hat er es seinen Kindern gegeben. Vielleicht hat er es für seine kranke Mutter erbeten. Er hätte dann auch einen Heiligenschein verdient.

Es ist gut, niemanden festzulegen auf eine bestimmte Rolle. Ich glaube, jeder Mensch kann heilig sein. Jeder kann sich entscheiden, etwas Gutes zu tun, was dann auch Strahlkraft entwickelt, als Vorbild für andere. Für mich ist das eine Herausforderung. Jeden Tag neu.

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