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Das Grab der Sklaverei

Das Grab der Sklaverei

Ein Beitrag von Frank Fornacon, Pastor evangelische Freikirche

Wenn die Kreuzfahrtschiffe in Ochos Rios vor Anker gehen, strömen die Urlauber in die kleinen Buse, die sie zu den Sehenswürdigkeiten Jamaikas fahren. Eine der Hauptattraktionen: Die Wasserfälle, die sich im dichten Urwald bis ins Meer ergießen. Es ist schön hier, - heute. Vor 200 Jahren war es für die meisten der Inselbewohner alles andere als schön. Die Sklaverei hatte ihren Höhepunkt erreicht. In den Zuckerrohrfeldern schufteten die Schwarzen. Ihr Schweiß brachte den weißen Herren riesige Gewinne. Europa war süchtig nach Süßem. Der Handel mit Sklaven aus Afrika war ein einträgliches Geschäft.

Während die Europäer sich die Finger nach Zucker leckten und den Rum aus Jamaika rühmten, sehnten sich die Sklaven nach Freiheit. Die fanden sie zunächst im christlichen Glauben. Während ihre Herren sich christlich gaben, aber nicht christlich handelten, nahmen die Sklaven den Glauben ernst. Sie hatten gehört, dass Jesus gesagt hatte: „Gott hat mich gesandt zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen.“ Wer in Ketten liegt, der hört genau hin, wenn eine Religion Freiheit verheißt. Die Sklaven ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie trafen sich in abgelegenen Gegenden, um mit einander diese Freiheit zu feiern.

Sehr zum Missfallen der weißen Herren, die es nicht gerne sahen, wenn ihre Arbeiter Lieder sangen von Glück und Freiheit, von der Macht Gottes, der die Unterdrücker besiegt. Der Wiederstand der Sklavenhalter konnte den Zustrom ihrer Sklaven zu den Gottesdienten der Baptisten nicht aufhalten. Ein Generalstreik löste Weihnachten 1831 den Aufstand aus, der als Baptistenkrieg in die Geschichte einging. Die Sklaven nahmen vorweg, was im englischen Parlament erst später beschlossen wurde.

Heute gibt es neben jeder alten Kirche Jamaikas einen kleinen Friedhof, auf dem ein Grab besonders geachtet wird. In diesem Grab wurde niemand bestattet. Zum Ende der Unfreiheit feierten alle schwarzen Kirchengemeinden eine fröhliche Beerdigung: Begraben wurden die Insignien der Sklaverei: Die Brandeisen, mit denen die Sklaven markiert wurden wie Pferde, die eisernen Ringe, die um die Füße der Sklaven geschmiedet wurden, um sie an der Flucht zu hindern. Die Peitschen mit denen die Herren ihre Arbeiter bis aufs Blut quälten.

Auf dem Grabstein kann man lesen, dass hier die Unfreiheit beerdigt wurde. Beim Besuch eines solchen Friedhofs sagt mir die Pastorin, die heute die Gemeinde leitet: „Wir denken bis heute jene Zeit, als die Sklaverei zu Grabe getragen wurde. Und wir denken daran, dass es der Glaube an Jesus war, der uns half, der Unfreiheit zu wiederstehen. Wer ihm vertraut, der kann der Unfreiheit widerstehen.“ Jamaika ist mehr als eine Urlaubsdestination. Die Insel ist ein historischer Ort, weil hier der Glaube an Jesus zur Freiheit führte.

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