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Entscheidungen

Entscheidungen

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von Charlotte von Winterfeld, Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Das Jahr ist noch frisch, es gibt noch weiße Flecken im Kalender, vieles ist noch offen. Eine gute Gelegenheit für mich, zu überlegen, ob ich 2014 etwas grundlegend anders machen will als 2013. Welche Entscheidungen waren richtig im letzten Jahr oder im ganzen Leben? Welche falsch? Was wäre, wenn ich mich anders entschieden hätte in einem bestimmten Moment? Was wäre, wenn ich Nein gesagt hätte und nicht Ja? Zum Stellenwechsel oder zum Umzug in eine andere Stadt?

Jack hat sich solche Fragen nie gestellt. Er ist ein Wall Street Händler. Ihm sind Gefühle egal, nur das Ergebnis zählt. Er ist reich und erfolgreich. Jack lebt allein und ist sehr zufrieden mit sich und seinem Leben. So startet der Film „Family Man“ aus dem Jahr 2000. In der Hauptrolle Nicolas Cage.

Eines Morgens wacht Jack nicht in seiner schicken Wohnung auf, sondern in einem Haus in der Vorstadt. Neben Kate, seiner Ex-Freundin, die er vor 13 Jahren verlassen hat. Und nicht nur das: Seine Tochter hüpft auf dem Bett herum und will, dass er sofort aufsteht. Außerdem muss er seinen Sohn wickeln und dann zur Arbeit. Er ist ein einfacher Reifenhändler, viel Geld hat die Familie nicht. Plötzlich ist Jack‘s komplette Welt auf den Kopf gestellt. Am Anfang ist Jack unzufrieden in seiner neuen Haut. Aber er lebt sich in sein \"Parallelschicksal\" ein. Er findet seine Frau attraktiv und entdeckt, wie schön es ist, mit Kindern zu leben. Und deshalb stellt sich Jack doch plötzlich die Frage: Was wäre, wenn du damals Ja gesagt hättest und nicht Nein?

Ich finde die Filmidee spannend und anregend. Mir fallen gleich tausend Fragen ein: Was wäre, wenn ich einen anderen Beruf ausgewählt hätte? Was wäre, wenn es mit meinem ersten Freund geklappt hätte? Mein Leben wäre ganz anders verlaufen, ich wäre ein anderer Mensch genau wie Jack im Film. Übrigens hat Nicolas Cage, der Schauspieler im Film, heute seinen 50.Geburtstag. Vielleicht stellt er sich da auch solche Fragen. Das tut man ja gerade an runden Geburtstagen oder am Anfang eines Jahres.

Manchmal tut es gut, diesen Fragen nachzugehen. Bei meinem Rückblick merke ich vor allem eins: So wichtig meine Entscheidungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten waren, vieles hatte ich nicht so richtig selbst in der Hand. Was wäre gewesen, wenn ich nach der einen schweren Krise nicht mehr hochgekommen wäre? Wenn ich nicht gute Freunde an meiner Seite gehabt hätte? Was wäre, wenn ich nicht meinen Mann kennen gelernt hätte und jetzt nicht Mutter einer Tochter sein dürfte? Das alles habe ich nicht falsch oder richtig entschieden. Das alles ist ein Geschenk Gottes. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Was ich 2014 anders machen will? Noch mehr genießen, was mir geschenkt ist!

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