In den Fußstapfen des Nikolaus: Vom Schenken und Helfen

In den Fußstapfen des Nikolaus: Vom Schenken und Helfen

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von Dr. Peter Kristen, Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Heute Abend bin ich zum ersten Mal Nikolaus. Mein Kollege hat mich gefragt, ob ich das mal machen könnte. Er hat zuhause eine kleine Feier für Freunde und Familie, und da kommt traditionell zu den Kindern der Nikolaus. Mich kennen sie ja noch nicht, sagt er, ich habe eine würdige Stimme und das Equipment stellt er mir zur Verfügung: Den roten Mantel, Mütze, Bart und das goldene Buch, in dem einiges über die Kinder aufgeschrieben ist: Lasse hat eine super 2 im Diktat geschrieben, muss aber endlich lernen, die Türen nicht immer zu knallen. Mia ist zwar länger aufgeblieben, als ausgemacht war, aber sie hat wirklich ihr Zimmer aufgeräumt.

Ach ja, und die Geschenke natürlich, die bekommen die Kinder dann aus dem großen Sack. Geschenke gehören fest dazu. Da hab ich erst noch mal nachgeschaut, in wessen große Fußstapfen ich da trete: Viel weiß man vom historischen Nikolaus nicht. Er war vor tausendsechshundert Jahren Bischof in Kleinasien, daher der rote Bischofsmantel, den man schon auf alten Ikonen sieht.

Es gibt eine Menge Geschichten über ihn. In vielen hilft er Menschen in Not, indem er ihnen schenkt, was sie brauchen. Bei seinem eigenen Erbe soll er mit dem Verteilen angefangen haben. Eine Legende erzählt von drei Mädchen. Ihr verarmter Vater konnte nicht mehr für sie sorgen, und weil sie keine Mitgift hatten, fanden sie damals auch keinen Ehemann. Als der Vater schon bereit war, sie als Prostituierte arbeiten zu lassen, hat sie Bischof Nikolaus gerettet. Für jedes Mädchen wirft er einen Klumpen Gold für die Hochzeit in ihr Fenster. Dank will er dafür keinen.

Wie es aussieht, ist man nie zu alt, dem Nikolaus zu begegnen. Auch viele Erwachsene bekennen, dass sie sich gegenseitig regelmäßig zum 6. Dezember, dem Todestag des Bischofs, Schuhe und Stiefel herausstellen und befüllen. So halten sie den Zauber der liebevollen Heimlichkeit und Überraschung am Leben und führen den Gedanken fort, zu schenken und zu helfen, vielleicht auch da, wo Menschen heute in Not sind. Wenn ich heute Abend in den roten Mantel schlüpfe, werde ich sicher kein Kind erschrecken oder beschämen, mit dem, was sie falsch gemacht haben. Ich trage nur ein bisschen dazu bei, dass die Tradition vom Schenken und Helfen weiterlebt.

Weitere ThemenDas könnte Sie auch interessieren