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"Wenn es Gott gibt"
Bild: Pixabay

"Wenn es Gott gibt"

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Justin Welby, der Erzbischof von Canterbury, hat zugegeben, dass er manchmal an Gott zweifelt. Es gibt Momente, in denen er sich fragt: „Wo ist Gott? Gibt es einen Gott?“ Und er kommentiert seinen Zweifel auch gleich selbst, wenn er sagt: „Das ist wahrscheinlich nicht das, was ein Erzbischof von Canterbury sagen soll.“

Morgens geht Welby joggen. Dabei gehen ihm viele Gedanken durch den Kopf. Bilder tauchen auf von all dem, was ihm Sorgen macht. Er betet beim Joggen. Neulich hat er sein Gebet so beendet: „Gott, wäre es nicht an der Zeit, dass du etwas tust? - Wenn du da bist.“

Gott, falls es dich überhaupt gibt. Kann man so beten? Unbedingt. Einen Erzbischof, der über seine Zweifel an Gott spricht, finde ich viel sympathischer als Menschen, die glauben, sich ihres Gottes ganz sicher zu sein. Es gibt derzeit zu viele, die behaupten, hundertprozentig zu wissen, was Gott will und was nicht.

Ich muss nur einmal die Fußgängerzone entlang gehen, schon werde ich von den verschiedenen Seiten angepredigt. An der einen Ecke verkündet ein Mann lauthals den Willen Allahs. Ein paar Schritte weiter verheißt mir das Plakat von Straßenmissionaren die Offenbarung: „Was die Bibel wirklich sagt.“

Nichts gegen Begeisterung für den eigenen Glauben. Nichts gegen ein gutes Gespräch darüber, was ich hoffe. Aber inmitten derer, die beanspruchen, Gott wie ein Buch fest in der Hand zu halten, tut der Zweifel von Erzbischof Justin Welby gut. „Gott, wäre es nicht an der Zeit, dass du etwas tust – wenn du da bist.“

Welby erwartet etwas von Gott. Gleichzeitig hat er Respekt: Kann er sich so sicher sein, ob und wie Gott ist? Glaube kann manchmal Zweifel vertiefen, wenn die Welt nicht danach aussieht, als wirkte ein gnädiger, gerechter Gott in ihr. Zum Beten gehört die Ehrfurcht, dass wir uns Gott nicht einfach zu eigen machen können. Ich kann Gott nicht vorschreiben, was er zu tun hat. Und ich darf anderen nicht vorschreiben, was sie zu glauben haben.

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