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Heute vor 25 Jahren: Die DDR wird 40 und geht unter

Heute vor 25 Jahren: Die DDR wird 40 und geht unter

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Sie wurde vierzig Jahre alt und ging einen Monat später unter. Heute vor fünfundzwanzig Jahren feierte die DDR noch einmal den Jahrestag ihrer Gründung. In Ost-Berlin gab es eine Militärparade mit der DDR-Hymne: „Auferstanden aus Ruinen.“ Dabei war der Staat längst ruiniert.

„Das haben wir alle gewusst“, erzählt Bettina. Sie hat als Achtzehnjährige die Friedliche Revolution in Leipzig erlebt. „Die Leute gingen ganz normal zur Arbeit, aber ihnen war klar: Dieser Staat ist am Ende.“ Zwei Tage, nachdem sich die DDR noch einmal gefeiert hatte, überwanden 70.000 Menschen in Leipzig ihre Angst.

Wie jeden Montag fand in der Nikolaikirche das Friedensgebet statt. Danach zogen die Demonstranten um den Innenstadtring von Leipzig. Die breite Straße ein einziges Menschenmeer. „Keine Gewalt!“ war der Appell der Kirchen an die, die protestierten, und an das hochgerüstete Regime. Die DDR-Sicherheitskräfte standen bewaffnet bereit. Es hätte blutig enden können.

„Hattest du keine Angst?“, wird Bettina gefragt, die damals auf der Straße mitgelaufen ist. „Nein“, sagt sie, „wir waren zu viele. Und wir haben ihnen keinen Anlass geboten. Immer wenn einzelne Demonstranten Krawall machen wollten, haben die anderen sie zur Ruhe gebracht. Keine Gewalt!“ Mit Kerzen und Gebeten gegen eine Diktatur. Das war die Friedliche Revolution vor fünfundzwanzig Jahren.

„Wen interessiert das heute noch?“, fragt einer provokant. In Leipzig viele. Übermorgen wird in der Nikolaikirche für Frieden gebetet. Dann werden wieder Zehntausende auf dem Innenstadtring sein und ein Lichtfest feiern zur Erinnerung an die Friedliche Revolution.

Keine Gewalt! Das klingt heute oft altmodisch. Ist es nicht naiv und eher lächerlich zu glauben, dass sich Konflikte ohne Gewalt lösen lassen? Vielleicht war das auch vor fünfundzwanzig Jahren naiv und lächerlich. Aber es ging. Weil so viele daran geglaubt haben. Wäre gut, wenn das Geschichte macht.

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