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Outdoorjacke

Outdoorjacke

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von Dr. Peter Kristen, Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Outdoorkleidung liegt voll im Trend. Für unseren Islandurlaub hab ich mir auch eine neue Jacke gekauft. Kurz unter dem Polarkreis ist es ja auch im Sommer eher kühl und windig. Wenn dann aber doch die erhoffte Sonne scheint, will ich nicht schwitzen und zugleich vor dem Wind geschützt sein. Funktionskleidung, Wollmütze, Wanderschuhe und eben auch die Outdoorjacke, Ich vermute: Dass sie im Trend sind, dahinter steckt nicht nur bei mir eine tiefe Sehnsucht.Viele sind gerne draußen, wollen den Wind spüren, Sonne und Regen im Gesicht, wollen sich in Freien bewegen und Natur erleben: Hitze und Kälte, grandiose Landschaften, respekteinflößende Ausblicke, frei lebenden Tieren begegnen, Auge in Auge.

Da darf ich dann ruhig auch mal angestrengt sein vom Wandern und außer Atem, da reicht mir auch mal ein ganz einfaches Essen, direkt von Feuer, wild und romanisch eben. Es ist die Sehnsucht, sich als Teil der Schöpfung zu erleben.Besonders Islandbesucher kommen wegen der endlosen unbewohnten Weiten auf die Insel, wegen der faszinierenden Natur. Auch um mal direkt aus dem Fluss zu trinken, ohne Bedenken.

Für die Isländer selbst war Natur jahrhundertelang aber vor allem etwas, wogegen man sich behaupten musste. Da waren Stürme, die das Fischen unmöglich machten, sommerliche Hagel, die die karge Ernte zerstörten. Fjorde und reißende Flüsse waren keine pittoresken Fotomotive, sondern unüberwindliche Hindernisse, die ganzen Generationen von Isländern gefährliche Umwege über Gebirgspässe aufgezwungen haben.

Ihr Bild von der Schöpfung ist wenig romantisch. Deshalb hat es wohl auch keinen isländischer Liederdichter wie Paul Gerhardt gegeben, der von Narzissus und Tulipan schrieb, die sich schöner anziehen als Salomonis Seide, keinen Goethe, der dichtet „über allen Gipfeln ist Ruh“. Bis heute ist den Isländern vor allen die Gefahr sehr bewusst, die von der Natur ausgeht: An die Aschewolke des Ejafjatnajöküll 2010 erinnert sich ganz Europa. und an die glühende Lava des Vulkans Ba(u)darbunga.

Beim Trend zur Outdoorkleidung gefällt mir, dass ich gut angezogen leichter draußen sein kann und die Natur wirklich erleben. Das hilft, Respekt und Achtung zu bewahren: vor den Gewalten der Natur, vor allen Menschen und auch vor gefährdeten Tieren und Pflanzen. Es hilft, sich selbst als Teil der Schöpfung zu verstehen, die sich Gott verdankt.

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