Ihr Suchbegriff
9/11

9/11

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von Christoph Wildfang, Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain

11. September 2001. Damals war ich zufällig auf einer Reise in Bangkok, Thailand. Es war Zeit zum Abendessen mit der Reisegruppe. Da rief einer an und sagte, mach den Fernseher an. Mit dem Handtuch um den Bauch verfolgte ich mit offenem Mund die Fernsehbilder von CNN. Saß auf der Bettkante im Hotel und glaubte den Bildern nicht wirklich.  Es gibt solche Momente in der eigenen Lebensgeschichte. Da weiß man genau, wo man war, als etwas Gravierendes geschah. Manche Ältere erinnern sich an das Kennedy-Attentat. Andere denken an die Öffnung der Berliner Mauer.

Heute ist wieder Nine Eleven. Ich habe schon viele Dokumentationen darüber gesehen. Manche Bilder lassen mich nicht los. Wie die Menschen wie kleine Puppen aus den Hochhäusern in den Tod stürzen. Dabei mit den Armen rudern, als ob sie den Fall abbremsen könnten. Grausam. Auch nach Nine-Eleven ist viel Grausames passiert: Erdbeben. Hungersnöte. Bomben und Raketen. Schlimme Bilder, die uns fast täglich erreichen. Ich weiß nicht, ob man abstumpft. Nine-Eleven, dieser Tag hat sich in mein Empfinden eingebrannt.   Ungläubig und verwundert habe ich zugeschaut. Aber das kann doch als Vermächtnis nicht alles sein.

Ich will mich hier umschauen, wo ich lebe. Wo auch Menschen um mich herum leiden. Manche sind still geworden über dem Leid und haben sich in sich selbst verkrochen. Flüchtlinge, die traumatisiert bei uns in ihren Unterkünften leben. Die schlimme Erfahrungen mitgebracht haben – aus ihrer Heimat und von ihrer Flucht. Bei anderen Menschen ist das Leid schon länger her: das eigene Erleben von langen Krankheiten oder das Miterleben-Müssen. 

Ein langer trauriger Abschied lässt Menschen hier vor Ort nicht mehr los: das Mitfiebern und Mithoffen und -bangen durch eine Krise. Der Tod von lieben Menschen – oder die eigene Furcht vor dem Danach. Nicht alles heilt die Zeit. Nine-Eleven ist ein Symbol -eine Einladung - nicht wegzugucken, nicht umzuschalten, sondern auszuhalten. Und dann hier vor Ort hingehen, dahin wo heute gelitten, gezweifelt und verzweifelt wird. Zuhören. Trösten. Beten. Füreinander.

Weitere ThemenDas könnte Sie auch interessieren