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Leben unter der Regie Gottes

Leben unter der Regie Gottes

Ein Beitrag von Helwig Wegner-Nord, Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Ein Schauspieler, der vom Hals abwärts gelähmt ist – geht das überhaupt? Ist nicht gerade ein Schauspieler darauf angewiesen, Arme und Beine zu gebrauchen, muss er nicht durch Gestik und Bewegung auf der Bühne ausdrücken, was eine Rolle von ihm verlangt? Das alles kann Samuel Koch nicht. Er hat seine Stimme, sein Gesicht, seine Augen. Sprache und Mimik sind alles, womit er arbeiten kann. Als ich vor drei Tagen gehört habe, dass er eine Anstellung als Schauspieler bekommen hat, habe ich es kaum glauben können.

Ein Sprecher des Darmstädter Theaters sagt, Samuel Koch wäre beim Vorsprechen vor ein paar Monaten künstlerisch so überzeugend gewesen, dass man sich für ihn als neues Mitglied des Ensembles entschieden habe. Seine erste Rolle soll der Prinz von Homburg im gleichnamigen Stück von Heinrich von Kleist sein. Die Premiere ist für Anfang Oktober geplant.

Samuel Koch hatte vor seinem Sturz ein Studium begonnen, eine Ausbildung zum Schauspieler angefangen. Durch das Unglück hat er sich nicht davon abbringen lassen, sondern weiter studiert, und die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Und nun lässt er sich auf ein solches Theater-Engagement ein. Da frage ich mich, woher er die Kraft dafür hat.

In einem biografischen Buch spricht er davon, was in seinem Inneren vorgegangen ist. Am Anfang auf der Intensivstation, später in der Reha. Und er beschreibt, dass er irgendwann soweit war, den Satz aus dem Vaterunser für sich gelten zu lassen, den Satz „Dein Wille geschehe!“ Bei Samuel Koch klingt das dann so:

"Mein Körper ist futsch und ich kann damit im Moment nichts mehr anfangen. Deshalb gebe ich ihn ab: Hier, Gott, hast du meinen Körper, meinen Geist - ich habe keinen Plan mehr. Aber du hoffentlich schon. Mach damit, was du willst, und am liebsten sofort."

Samuel Koch schreibt, dass er erst nach einem langen inneren Kampf soweit war, dass er das sagen konnte. „Gott, mach mit mir, was du willst.“ Um bei der Welt des Theaters zu bleiben: Samuel Koch hat mit dem Satz sein Leben unter die Regie Gottes gestellt. Das beeindruckt mich. Und macht ihn zum Vorbild, auch für die, die auf eigenen Füßen stehen können.

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