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Klage und Beistand – Zur Flugzeugkatastrophe im Indischen Ozean

Klage und Beistand – Zur Flugzeugkatastrophe im Indischen Ozean

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von Dr. Peter Kristen, Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

In einer Hotelhalle hält eine chinesische Frau wütend ihre Faust vors Gesicht. Das ist tränenüberströmt. „Sagt uns die Wahrheit“, schreit sie verzweifelt. Mehr als zwei Wochen waren die Menschen im Ungewissen, was mit ihrer Familie, ihren Freunden passiert ist. Jetzt steht ein malaysischer Regierungsbeamter an einem Rednerpult und teilt ihnen in gewählten Worten mit, dass das Flugzeug mit ihren Angehörigen irgendwo im Indischen Ozean abgestürzt ist. Er sagt: „Es besteht keine Hoffnung mehr, dass jemand überlebt hat.“ Mehrere Menschen brechen vor den Fernsehkameras zusammen und werden auf Tragen abtransportiert. Von Selbstmordplänen ist die Rede.

Ich hab’ Erfahrungen mit Seelsorge in Notfällen und Krisen hier bei uns, wenn Menschen vermisst werden oder schlimme Unfälle passiert sind. Ich weiß: Gerade die Ungewissheit ist schlimm. Wichtig ist, genau und schnell zu informieren. Und niemals überbringt man solche Nachrichten in der Öffentlichkeit, verschanzt hinter einem Pult. Da ist persönliche Betreuung nötig.

Trost gibt es zwar noch lange nicht. Beistand ist aber gefragt, im wörtlichen Sinne: Beieinander stehen bleiben, solidarisch sein und das alles mit aushalten, auch wenn es sehr lange dauern kann. Ich hab dann erlebt: Wenn die Menschen öfters beieinander sind, mit anderen, die das gleiche erleiden, mit Seelsorgern und Helfern, die da sind und das Leid mit aushalten, in einem geschützten Raum, dann entsteht da auch ein gemeinsamer Ort. Der deutet notdürftig das an, was sie so dringend suchen: Gewissheit. Manche können anfangen zu klagen. Alleine hätten sie vielleicht keine Worte gefunden. Dann tut es auch gut, wenn jemand mit alten Worten betet.

Vielleicht einen Klagepsalmen aus der Bibel:

Gott, in deiner Gegenwart schütte ich mein Herz aus.
Dir klage ich meine Not.
Auch wenn ich allen Mut verlieren sollte,
Du weißt immer einen Ausweg für mich.
Psalm 142,3f

Ich weiß nicht, welche Worte und Gebete die Angehörigen von MH370 jetzt finden. Ich weiß aber: Wo kein Trost zu sehen ist, nichts, das zum Begreifen hilft, kein Ort zum Trauern, ist es gut, gemeinsam zu klagen und sich beizustehen.

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