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Sehen Sie dünn aus!
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Sehen Sie dünn aus!

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von Christoph Wildfang, Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain

Ein Indienurlaub macht mich dünner als zuvor. Manche Menschen sagen mir das auch. Sehen Sie dünn aus! Gab´s da nichts Richtiges zu essen?  Doch, doch sage ich. Halt was anderes als bei uns. Kein Fleisch essen zu sollen, zu dürfen, sich einschränken zu können -  ist bei uns ein kontroverses Thema. Bei meinen indischen Freunden ist das normal. Es gibt nie Fleisch, auch keine Eier, kein Fisch. Immer Gemüse. Meine indischen Freunde kochen mit Hingabe und viel Zeitaufwand immer „nur“ vegetarisch. Immer frisch. Immer wenig. Nie bleibt ein Gramm über. Dazu wird immer frisches Brot hergestellt.

Für mich ist es kein schwerer Verzicht, sondern ein Anstoß, auch über meine eigene Ernährung bewusster nachzudenken. Manche fragen: „Ist das nun vegetarisch? Oder ist das sogar vegan?“ Es ist  indisch, sage ich, es ist dort für viele Menschen eine uralte geschätzte religiöse Tradition. Denen fehlt nichts. Viele schauen mich dann bemitleidenswert an. „Nichts Richtiges zu essen!“ Manche fragen, wie ich das vertragen habe, warum ich nicht gleich krank geworden bin. Wie man das aushalten kann: nichts Richtiges auf dem Tisch! Manchmal erzähle ich dann, dass meine Freunde nicht mal einen Tisch haben, sondern, dass wir auf dem Fußboden auf einer Matte essen und auch noch ohne ein einziges Besteckteil. Dort respektiere und teile ich deren Essenstraditionen.

Wie ist das mit dem Essen in unserer christlichen Tradition? Wenn ich in die Bibel schaue, geht es da nicht um vegetarisches Essen.  Es gibt eine große Freiheit über das, was ich essen kann. Es gibt die Geschichte von Jesus, dass seine Jünger für das Rupfen und Essen von Getreidekörnern von den Hütern der Tradition kritisiert werden. Aber darum, weil sie das an einem Sabbat gemacht haben, wo man eigentlich ruhen sollte.

Es gibt noch mehr biblische Geschichten über Feigenbäume und Dattelbäume und deren Früchte. Aber eben auch über das freudige Schlachten eines Kalbs, wenn ein verloren geglaubter Sohn wieder nach Hause findet, nach einer traurigen Odyssee und Abstürzen in seinem Leben. Auch um Wein geht’s in der Bibel. Zu viel davon wird kritisiert, aber das Weintrinken im richtigen Maß gehört dazu, wenn in der Bibel ein Fest gefeiert wird. Ich merke, mir persönlich tut der wenigstens zeitweise freiwillige Verzicht auf Fleisch gut. Nicht weil ich muss. Aber es tut mir gut.

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