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Weihnachten heißt nach Hause kommen
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Weihnachten heißt nach Hause kommen

Claudia Rudolff
Ein Beitrag von

Claudia Rudolff,

Rundfunkpfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel

Driving home for Christmas – klang es in den letzten Tagen immer wieder aus meinem Radio. Weihnachten nach Hause zu fahren oder nach Hause zu kommen, das ist für viele Menschen wichtig.
Als Studentin habe ich mich besonders auf diese Zeit gefreut. Mir gefielen die Rituale und die Gemütlichkeit, die meine Mutter uns zu Hause bescherte.
Natürlich erwartete mich zu Hause keine uneingeschränkt heile Welt. Ich war immer willkommen, aber ganz schnell auch wieder Kind und Tochter: „Kannst du mal den Mülleimer raus bringen, Brötchen holen, den Weihnachtsbaum schmücken“ ... Und mit den lieben Geschwistern gab, es kaum, dass wir alle zusammen waren, auch bald den ersten Streit. Meine Mutter war von den Vorbereitungen gestresst und wie jedes Jahr verärgert, wenn wir Kinder und mein Vater sie nicht tatkräftig unterstützten. Und doch stimmte es wieder spätestens unter dem Weihnachtsbaum: Weihnachten kommen wir nach Hause. Ich fühlte mich wohl und geborgen. Zumindest für einige Zeit war meine Sehnsucht nach einer heilen Welt gestillt. Aber Weihnachten besteht für mich nicht nur aus einem Familienfest. Ohne die Weihnachtsgeschichte würde mir an diesem Tag was fehlen.
Und ganz sicher nicht nur mir: Viele erahnen beim Hören oder Lesen dieser Geschichte, dass etwas Besonderes von diesem Kind in der Krippe ausgeht. Weihnachten, so erzählt die Bibel, kommt auch Gott in diesem Kind nach Hause. In ihr heißt es: Gott wird Mensch und wohnt unter uns (Joh1,14). Er wird ein Mensch, um Menschen in ihrer Welt seine Liebe zu zeigen.
Im Stall zu Bethlehem wurde das ganz anschaulich und darum berührt diese Geschichte so viele Menschen. An diesem Ort erscheint durch das Kind die Welt, so wie Gott sie gemeint hat und wie wir sie ersehnen. Mensch und Tier haben gemeinsam Platz und stehen friedlich nebeneinander. Hirten und Könige halten Einzug in den Stall. Für eine Nacht sind alle Standesunterschiede aufgehoben, denn Gott selber wohnt bei ihnen. Für eine Nacht herrscht Frieden um sie herum und in ihren Herzen. 

Weihnachten lässt uns nach Hause kommen, nicht nur zu unseren Familien, Partnern oder Freunden. Weihnachten kann unsere Sehnsucht nach Geborgenheit stillen, weil wir ein Zuhause bei Gott haben. Denn Sie und ich gehören auch in diesen Stall - so wie wir sind, selbstbewusst oderzweifelnd, fröhlich oder schlecht gelaunt. Auch uns gilt Gottes Liebe. Ich wünsche uns allen, dass wir erfahren, was es heißt: Weihnachten nach Hause zu kommen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen gesegneten Heiligabend und ein schönes Weihnachtsfest.

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