Wie Haben selig macht
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Wie Haben selig macht

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Voriges Jahr wurde in einer Umfrage das schönste deutsche Wort gesucht. Und gefunden. Ich wäre nie darauf gekommen, aber das für die meisten schönste deutsche Wort ist: Habseligkeiten. Eigentlich sind es zwei Worte in einem. Es geht um Haben und um Seligkeit wie auch bei mühselig, redselig, armselig. Habseligkeit hat aber auch noch einen doppelten Klang: Es klingt mal nach wenig, mal nach viel - je nachdem, in welchem Zusammenhang ich es gebrauche. Etwas Haben ist schön und kann selig machen; Haben kann aber auch so wenig sein, dass man es in zwei Koffer packen kann, wenn man übers Land ziehen muss. Ob so Weniges dann selig macht?

Das Wort schillert, ist nicht eindeutig. Das macht es interessant. Und ein bisschen schimmert auch der Himmel in dem Wort „selig“. Kein Zweifel: Haben ist schön. Ich erfreue mich an Dingen, die ich besitze wie Möbel, Auto, Sparbuch. Es beruhigt mich und gibt mir einen Hauch von Seligkeit. Etwas Haben kann aber auch zu einer großen Last werden, nämlich dann, wenn es nie genug ist. Das gibt‘s ja auch: Dass Menschen sammeln und sammeln, ein größeres Haus bauen für all ihren Besitz oder noch ein Konto anlegen. Da ist wenig Seligkeit, aber viel Verbissenheit. Man kann dann nie genug kriegen wie der Kornbauer, von dem Jesus erzählt (Neues Testament, Lukasevangelium Kapitel 12, Verse 13-21). Er ist alles andere als selig, er ist gierig. Als seine Scheunen für die große Ernte nicht mehr ausreichen, will er die alten Scheunen abreißen und größere bauen. Seine Gier hat nur Augen für sich selbst - habgierig statt habselig. Da sagt Gott zu ihm: Du bist ein Narr, was wird denn aus all deinem Besitz, wenn du heute Nach stirbst?

Mit Haben und Besitzen ist es wie mit Spazieren gehen auf einem Seil. Wenn ich eher leicht bin und weniger schleppe, sieht mein Gang wunderbar aus, als wäre ich selig. Schnell kann ich aber auch zu schwer werden und hinunterfallen. Es gibt da kein Maß, kein „Richtig oder falsch“. Gott will, dass ich selber spüre, wann Habgier aufhören muss und Habseligkeit beginnen kann. Keiner macht mir Vorschriften, ich bin ganz allein mit Gott und meinem Gewissen. Das ist nicht immer leicht, aber schön. Ich bin Gott so wichtig, dass ich selber entscheiden soll, was ich behalten will und was ich an die abgebe, die weniger haben. Wer doch lieber eine Regel hat, liest in der Bibel auch vom „Zehnten“ (Altes Testament, 3. Buch Mose Kapitel 27, Verse 30-34). Der zehnte Teil von dem, was ich im Jahr nach Abzug meiner Kosten einnehme, gehört nicht mir, sondern Ärmeren. Das ist nicht so viel, wie es klingt. Hat aber einen großen Vorteil: Nicht nur weniger Haben kann selig machen, erst recht Geben macht selig.

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