Ihr Suchbegriff
Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht
Bild: gettyimages

Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht

Heidrun Dörken
Ein Beitrag von

Heidrun Dörken,

Evangelische Pfarrerin, Senderbeauftragte für den Hessischen Rundfunk

Auf dem Gabentisch zu meiner Konfirmation lag ein Buch über „Berühmte Frauen“. Eine von ihnen faszinierte mich. Schon wegen ihres poetischen Namens: Florence Nightingale. Ihr Vorname nach der kunstsinnigen italienischen Stadt Florenz und der Nachname, der übersetzt Nachtigall heißt. Der Vogel, den viele Dichter mit liebenden Menschen verbinden . Und ihr Bild faszinierte mich. Ich sah eine Frau mit zurück genommenem dunklem Haar, sanften Augen und Reifrock, die sich anmutig über das Bett eines Kranken beugt, mit einer Lampe in der Hand. So wurde sie berühmt: Als „Lady mit der Lampe“, die vielen kranken Soldaten und Patienten das Leben rettete. Neben Königin Viktoria, die wie sie fast das ganze 19. Jahrhundert erlebte, war sie die berühmteste Engländerin ihrer Zeit. Vor 100 Jahren ist Florence Nightingale gestorben . Die New York Times schrieb damals, im August 1910: „Nur wenige Leben verliefen nutzbringender und anregender als ihres“.
Denn sie war nicht nur die weltweit bewunderte und aufopferungsvolle Krankenschwester. Ihr größtes Verdienst ist wohl, dass sie Pflegen erstmals zu einem Beruf machte und Standards dafür formulierte. Zu ihrer Zeit gab es die nicht und man fand das auch nicht nötig. Ihr Buch „Bemerkungen zur Krankenpflege“, wurde ein Bestseller. Sie schrieb es mit einem geradezu modernen Gespür für Zielgruppen in drei Versionen: für gebildete Frauen, als Werk mit wissenschaftlichem Anspruch für Mediziner und Gesundheitspolitiker und für die sogenannte Arbeiterklasse. Mit einem Schuss Ironie schrieb sie:

Kein Mann jedoch, nicht einmal ein Arzt, gibt je eine andere Definition von dem, was eine Krankenschwester sein sollte, als die folgende: „Hingebungsvoll und gehorsam“. Diese Definition würde genauso auf einen Pförtner zutreffen. Sie könnte sogar für ein Pferd gelten…Damen geben im Allgemeinen die Definition, eine gute Krankenschwester sei „nüchtern, aufrichtig und züchtig“…Verlangt ihr nicht mehr …sogar von Eurem Koch oder Eurer Haushälterin? Der Eindruck herrscht vor, fast jede Frau sei als Krankenschwester gut genug…So scheint es am wichtigsten, dass man jeder Krankenschwester klinische Unterweisung…geben sollte, und zwar…in einem Krankenhaus.

Obwohl es in der Zeit der Industrialisierung große technische Fortschritte gab, auch in der Medizin, führte die Krankenpflege ein Schattendasein. Ausbildung gab es nicht, Pflegerin wurde man durch „learning by doing“. Vermögende Leute wurden von Dienstboten zu Hause betreut. Zwar oft eher schlecht als Recht. Aber immerhin besser als in den Krankenhäusern der ständig wachsenden Städte, in die die ärmeren Kranken gehen mussten, unter verheerenden hygienischen Zuständen. Einen harten Dienst, kaum Pflege zu nennen, verrichteten dort Frauen und Männer „niedersten Standes“, wie man sich damals ausdrückte. Das waren Leute, die vom Land in die Großstädte kamen auf der Suche nach Arbeit. Ihre Motivation war das Nachtlager für ihre erste Zeit auf den Fluren der Krankenhäuser, denn Zehntausende hatten nicht einmal das. Charles Dickens und andere haben die grausamen Zustände in den Slums von London oder Manchester geschildert, mit hoher Kindersterblichkeit, Kinderarbeit, Hunger und Seuchen. Florence Nightingale setzte nicht nur ein persönliches Zeichen der Barmherzigkeit dagegen. Sie war Frau genug, das Gesundheitssystem einer ganzen Gesellschaft mit politischem Geschick und Talent für Organisation zu beeinflussen.
Wie ihre Anregungen bis heute wirken, erfahre ich von Margret Schützler. Sie ist Lehrerin für Pflegeberufe an einer Katholischen Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Frankfurt. Sie selbst ist evangelische Christin und bildet dort jährlich rund 150 angehende Krankenschwestern und -pfleger aus, genauer Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und –pfleger, wie die korrekte Berufsbezeichnung seit 2006 heißt.

Man kann davon ausgehen, dass man so nach etwa fünf Jahren in der Lage ist, vernünftig zu pflegen im Sinne einer Fachkraft oder eines Profis. Pflegen ist ja so, dass alle Sinne angesprochen werden. Also das Körperliche ist ja notwendig, das heißt, sie müssen andere Menschen bewegen und sie müssen sich selbst bewegen. Sie brauchen das Herz, um zu pflegen, damit sie wirklich auch den Patienten lieben können, da haben wir Unterrichtseinheiten von Ethik, von Religion zum Beispiel, und um dieses spezielle Bewusstsein für die Liebe zum Nächsten zu locken.

Heute bedeutet das über 5000 Stunden Unterricht in Theorie und Praxis. Dass kompetente Männer und Frauen wie Margret Schützler Krankenpflege professionell lehren, ist auch Florence Nightingale zu verdanken. Deren christlicher Glaube trieb sie an, Kranken gegenüber menschlich zu sein. Doch diese Menschlichkeit verstand sie nicht so, dass sie sich nur einzelnen Kranken persönlich zuwandte. Für sie war am dringlichsten: bessere Bedingungen für Kranke. Sie forderte, was man heute „weiche Faktoren“ nennt: Licht, Luft, Wärme, Ruhe, gute Ernährung und innere Zuversicht. Und noch etwas, womit schon der biblische David den kranken König Saul geheilt hatte:

Die Wirkung von Musik auf Kranke ist bisher kaum je beachtet worden…Ich will an dieser Stelle nur bemerken, dass Windinstrumente, wie auch die menschliche Stimme, und Saiteninstrumente, die einen andauernden Klang hervorbringen könnten, im allgemeinen eine wohltuende Wirkung haben…Musik für Kranke, die nicht aktiv sein können, bereitet Freude und beseitigt nervöse Gereiztheit, wie sie aufgrund der erzwungenen Untätigkeit entsteht.

Musik: W.A.Mozart, Klarinetten-Konzert in A KV 622 II. Adagio

Florence Nightingale hätte das Elend ihrer Zeitgenossen nicht bemerken müssen. Sie stammte aus reichem englischem Haus mit Landsitzen in Südengland und Verbindungen bis zum Hof. Geboren wurde sie 1820 als jüngere von zwei Schwestern tatsächlich in Florenz, auf einer der oft über Jahre ausgedehnten Vergnügungsreisen ihrer Eltern, die von einem großen Erbe lebten. Sie erwarteten von ihr, das typische müßige Leben ihrer Klasse zu pflegen. Zwar war sie durch den Vater in Sprachen, Geschichte und vor allem Mathematik hoch gebildet, doch sollte das nur Zugabe sein für eine standesgemäße Ehe. Doch schon im Alter von 17 Jahren schrieb sie in ihr Tagebuch, dass sie sich von Gott berufen fühlte, Kranke zu pflegen. Sie verstand sich von Gott zu mehr gerufen als zu den üblichen Almosen. Aber die Familie beäugte das misstrauisch. Besonders Mutter und Schwester bekamen Tobsuchtsanfälle, wenn Florence in die Armen- und Waisenhäuser der Nachbarschaft ging. Pflegende Frauen waren für ihre Familie Dienstboten; im Gefolge des Militärs wurden sie sogar mit Prostituierten gleichgesetzt.

Vorbehalte gegen die pflegenden Berufe gibt es auch heute noch. Laut einer AllensbachUmfrage unter Altenpflegeschülern sagten fast sechzig Prozent: „Wir haben diesen Beruf gegen den Rat unserer Angehörigen, Freunde und Nachbarn ergriffen.“ Das Image ist schlecht, vor allem aufgrund der Bezahlung. In den USA wurde erst in diesem Frühjahr entschieden, dass endlich ausnahmslos alle Bürger eine Versicherung auch für Krankenpflege bekommen. In Deutschland wurde vor wenigen Tagen der Mindestlohn in der ambulanten Pflege auf 8,50 Euro West und 7,50 Euro Ost festgesetzt. Ungelernte Bauarbeiter verdienen mehr, und eine Stunde in der Autowerkstatt ist wesentlich teurer. Margret Schützler:

Also die Frage, die die Schülerinnen oft gestellt bekommen von ihren Freunden – und ich hab’ die früher auch gestellt bekommen – Ach, dass du so was machst! Das könnt ich nicht! Damit ist auch schon gesagt, was mein Gegenüber von dem Beruf hält. Es wäre schöner, wenn gesagt würde: Das würde ich auch gern, aber ich kann’s nicht...Oft ist es mit einem abfälligen Blick versehen. Was man selbst als Einzelner da machen kann, ist, dass man sich stolz aufrichtet und sagt, ich kann das aber, lass gut sein.​​​​​​​

Die Vorbehalte und Verbote der Eltern machten Florence über Jahre seelisch und körperlich krank. Aber sie richtete sich auf. Heimlich, unter dem Vorwand einer Ferienreise, besuchte sie Kaiserswerth bei Düsseldorf. Dort hatte Pastor Theodor Fliedner 1836 begonnen, Diakonissen auszubilden. Erst als sie über dreißig war und zwei Heiratsanträge ausgeschlagen hatte, gab ihre Familie nach und erlaubte Florence, mehr zu lernen. In Paris hospitierte sie an einem Ordens-Krankenhaus und korrespondierte mit Ärzten und Sozialreformern. Mathematisch hochbegabt, stellte sie Statistiken auf: Unter welchen Bedingungen genesen Kranke besser? Ihr Können kam dem britischen Kriegsminister zu Ohren, der in Nöten war. England war mit Frankreich, der Türkei und SardinienPiemont 1854 in den Krimkrieg eingetreten. Der Feind war das zaristische Russland, es ging um Einfluss im Osmanischen Reich. Die ersten Kriegsreporter der Neuzeit informierten die Öffentlichkeit, dass englische Soldaten zu Tausenden starben. Aber weniger im Kampf, vielmehr deshalb, weil man Verletzte in verlausten Baracken einfach auf den Boden legte, und bisher Gesunde an Seuchen und Infektionen starben. Die Kranken vegetierten wochenlang ohne ärztliche Versorgung zusammen mit Ratten und Flöhen. Florence Nightingale machte sich auf Bitten des Ministers auf nach Skutari, heute ein Vorort von Istanbul. Achtunddreißig Frauen begleiteten sie, nur wenige mit Pflege-Erfahrungen. Keiner war auf ihr Kommen eingestellt, nichts von der Armee geregelt. Aus der widerwillig zugewiesenen schmutzstarrenden Unterkunft mussten die Frauen zuerst Leichen wegbringen. Sie hausten zu vierzehnt pro Zimmer ohne Tische, Betten oder Besen. Florence Nightingale mit einer Lampe am Krankenbett – dieses Bild entstand, weil sie erst nachts zu den Verwundeten kam, da sie tagsüber bei den Behörden um das Nötigste kämpfte. Sie hat Männer mit grausam amputierten Gliedmaßen verbunden und Cholera-Infizierte oft genug beim Sterben begleitet. Zuerst auf der Krim, danach in England kämpfte sie um heißes Wasser, Decken, kaubares Essen und senkte damit die Sterblichkeitsrate. Sie hieß bei den Soldaten „Engel der Verwundeten“, weil sie an ihren Betten wachte. Vor allem weckte sie die Behörden auf, schrieb Konzepte für Lazarette und Krankenhäuser. In London gründete sie eine eigene Schwesternschule. Engel müssen manchmal auch gut in Statistik und Mathematik sein. Vor allem aber hartnäckig und oft gegen den Strom schwimmen.

Musik: W.A. Mozart, Konzert für Flöte, Harfe und Orchester KV 299 Allegro

Das A einer Krankenschwester sollte sein, zu wissen, was ein krankes menschliches Wesen ist. Das B, zu wissen, wie man sich einem kranken menschlichen Wesen gegenüber verhält. Das C, zu wissen, dass ihr Patient ein krankes menschliches Wesen ist und kein Tier.

Was Florence Nightingale zuerst forderte, lernen Auszubildende heute auch bei Margret Schützler: Viel über den menschlichen Körper und wie man ihm helfen kann. Sie hat es selbst erfahren:

Was mich sehr geprägt hat, das war: Ich war damals auf einer inneren Abteilung mit einer Auszubildenden. Und die hat mich bei technischen Dingen angeleitet, wie legt man einen Katheter zum Beispiel und wie drehe, wende ich jemanden, und die hat es so korrekt und so fachlich sicher gemacht. Da hab ich gedacht, so möchte ich später auch arbeiten.​​​​​​​

Aber um Raum für eine menschliche Begegnung mit dem Kind, das vor ihnen im Krankenbett liegt, mit der Frau oder dem Mann - darum kämpfen heute viele Pflegekräfte. Menschlichkeit ist schwer messbar und verbraucht Zeit, die Geld kostet.

Und das andere, was mich sehr beeindruckt hat, das war eine andere Auszubildende, wir hatten Nachtwache und mussten also 60 Patienten bewachen, zu zweit. Und die war unheimlich einfühlsam, also die hat im größten Stress, im größten Klingel-Durcheinander war die zu den Leuten nett und hat gesagt: Das sind doch alles Menschen.​​​​​​​

Und die sind verschieden und brauchen mehr als gut organisierte Krankenhaus-Abläufe allein bieten. Florence Nightingale:

Die Krankenschwester muss zwischen individuellen Besonderheiten der Patienten unterscheiden. Der eine möchte gern all sein Leiden allein durchstehen und dabei so wenig betreut werden wie möglich. Ein anderer hat es gern, dass man ständig viel Aufhebens um ihn macht, ihn bemitleidet, und er immer jemanden um sich hat. Man könnte diese beiden Eigenarten viel mehr beachten und ihnen nachgeben, als es der Fall ist.​​​​​​​

Also ich finde, pflegen hat sehr viel mit Gärtnern zu tun. Also ich bin ja auch begeisterte Kleingärtnerin. Und es ist mit den Pflanzen so, wenn sie den richtigen Platz haben, dann wachsen sie gut, wenn ich ne Pflanze, die in die Sonne muss, in den Schatten stelle, wächst sie nicht so gut….Bei der Pflege sehe ich das ähnlich, weil die Patienten brauchen alle so das ihre. Es gibt welche, die müssen lieber alleine liegen und möchten immer dieselbe Krankenschwester haben, andere müssen vielleicht in ein größeres Zimmer, weil sie sich gegenseitig stützen können. Vielleicht muss ich dem einen Patienten, obwohl er alles selbst machen kann, alles übernehmen, weil er gerade das braucht, ein bisschen umsorgt zu werden. Und da ist ein anderer Patient, der fast nichts kann. Und das bisschen was er kann, mit viel Kraftaufwand, das will er noch tun und das soll ich dann auch zulassen und so würd ich sagen, wenn man im Gartenbau ganz gut ist, kann man auch als Pfleger oder Krankenschwester ganz gut sein. Diesen Blick für das besondere von jedem Einzelnen.​​​​​​​


Musik W.A. Mozart Konzert für Fagott KV 191 II. Andante​​​​​​​

Man nimmt …an, die Krankenschwester sei dazu da, dem Kranken eigene körperliche Anstrengungen zu ersparen. Ich würde eher sagen: …Nicht: Wie kann ich (als Krankenschwester) immer das Richtige selbst tun? Sondern: Wie kann ich dafür sorgen, dass das Richtige immer getan wird?“

Florence Nightingale trat also auch schon für Hilfe zur Selbsthilfe ein. Margret Schützler berichtet, wie sie heute geübt werden kann:

Ich hab dann gelernt: Helfen mit Händen in der Hosentasche. Ich bin dann bei den Patienten geblieben und hab nichts getan, hab sie mit Worten begleitet, bis sie’s selbst getan haben. Zum Beispiel ein operiertes Bein zurück ins Bett zu heben. Und die Patientin sagte: Nun fassen Se doch die Ferse an, und heben sie Ferse doch ins Bett. Sag ich: Ne, ich bleib jetzt hier stehen und bevor’s Bein runterfällt, dann würd’ ich’s festhalten. – Nun fassen Sie’s doch an!- Nun hat sie ihr Bein mit Mühe ins Bett gebracht und war ein bisschen zornig auf mich glaub ich. Und wie ich dann den Kaffee austeil, hör ich, wie sie ihrem Sohn erzählt: Stell dir vor, ich hab mein Bein ganz allein ins Bett gebracht! Dacht ich mir: O.k., das war der richtige Weg, ja, also das sind Erlebnisse, da habe ich gemerkt, da macht Pflegen auch Sinn.​​​​​​​

Florence Nightingale stand in der christlichen Tradition, sich den Kranken zuzuwenden. Jesus von Nazareth hatte das vorgelebt. Krankenpflege wurde zum Markenzeichen der Christen. Aber Florence brach mit der mittelalterlichen Form der Selbstaufopferung bei der Krankenpflege. Elisabeth von Thüringen aus dem 12. Jahrhundert steht dafür.
Elisabeth wird von vielen bis heute als Heilige oder Vorbild verehrt. Sie lebte asketische Selbstverleugnung, um dem Himmel näher zu sein. Sie verließ ihre eigenen kleinen Kinder, um sich der Krankenpflege zu widmen. In einer Art, dass sie mit 24 Jahren entkräftet starb. Florence Nightingale orientierte ihre Pflegereformen nicht an der Sorge um das eigene Seelenheil, sondern daran, was Kranke brauchen. Sie forderte für Schwestern, die nachts wachen, tagsüber Schlaf und Vertretungsregelungen, damit sie neue Kraft schöpfen können.

Es gibt einen Satz, der heißt: Die Sorge um das eigene Rückgrat ist nicht das Recht, sondern die Pflicht. Und ich muss als Pflegende zuerst auf mich achten. Wenn ich ruhig bin, wenn ich stabil bin, wenn ich geerdet bin, erst dann kann ich einem anderen auch Stütze und Halt geben, wenn ich mit mir selbst unklar bin, das spürt ein Kranker auf der Stelle sofort. Das zweite, was mir wichtig ist, ist die Äußerung: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wobei ich da natürlich großen Wert auf das „wie dich selbst“ lege, weil, nur wenn ich mich selbst liebe und schätze, bin ich auch in der Lage, meinen Nächsten zu lieben. Das ist auch nicht trennbar für mich. Deswegen finde ich auch die Aufopferung in der Pflege nicht gut.​​​​​​​

Musik: W.A. Mozart, Konzert für Flöte, Harfe und Orchester KV 299 Andantino

Krankenpflege…ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe, eine ebenso große Vorbereitung, wie das Werk eines Malers oder Bildhauers. Denn was bedeutet die Arbeit an toter Leinwand oder kaltem Marmor im Vergleich zu der am lebendigen Körper, dem Tempel für den Geist Gottes? Krankenpflege ist eine der schönsten Künste, fast hätte ich gesagt – die schönste aller Künste“.​​​​​​​

Wenn Gott in meinem Körper leben möchte wie in einem Tempel, dann ist es ja ein bisschen so, dass ich so durch die Welt gehe und er so in mir drinsteckt und dann sind ja meine Hände eigentlich seine Hände. Also das klingt ein bisschen kindlich, aber so fühl ich manchmal, also jede Handlung, die ich mache, könnte auch eine sein, die der in mir steckende Gott befürwortet. Und selbst gern durchgeführt hätte, deswegen hat er mich ja, ne. Und dass ist manchmal so, dass wenn ich schwierige Situationen habe, dass ich mich erinnere, dass ich nicht zu übereilt dann fehlhandle. Dann sag ich mal: Stopp! Moment mal! Du bist doch jetzt eigentlich so ein bisschen der Tempel, mach jetzt nicht so viel Blödsinn mit deinen Händen oder deinem Mund. So hab ich das Gefühl, der geht halt so mit.​​​​​​​


Auch im professionellen Pflege-Alltag sind viele Pflegende vom Glauben getragen, dass Gott mit geht. Und dass er selbst uns im pflegebedürftigen Menschen begegnet. Darauf kommt es im Leben wirklich an – Mitmensch sein und sich beistehen. Es lohnt sich, nach dem Beispiel von Florence Nightingale einzutreten für gute Ausbildung, gerechten Lohn und Raum für diese besondere Begegnung.

Also eine Stelle, die ich immer wieder schön finde, ist die Aussage von Jesus: Was du einem meiner geringsten Brüder antust, tust Du mir an. Weil das auch die kranken Menschen, und auch schwache Menschen auf ganzer Linie aufwertet. Und mir klar sagt: Also alle sind Menschen mit ihrem Recht auf Würde.​​​​​​​

Musik: A.Mozart, Klarinetten-Konzert in A KV 622 I. Allegro

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren