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Menschen sind wie Zebras
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Menschen sind wie Zebras

Alexandra Becker
Ein Beitrag von

Alexandra Becker,

Katholische Pastoralreferentin, Pfarrei St. Franziskus, Frankfurt

Menschen sind wie Zebras, sie haben schwarze und weiße Anteile. So ging eine Predigt los, die ich neulich gehört habe. Ich musste lachen – ein interessanter Vergleich. Es ging um helle und dunkle Momente im Leben. Aber auch darum, dass kein Mensch nur Gutes oder nur Schlechtes in sich trägt. An diesem Gedanken bin ich hängengeblieben. Grundsätzlich glaube ich, dass das so ist. Bei Manchem stoße ich aber auch an Grenzen. Heute jährt sich das Attentat auf Hitler im Jahr 1944. Es blieb erfolglos. Ich werde gar nicht erst versuchen zu beurteilen, ob Hitler durch und durch schlecht und böse war. Auch wenn mir zu ihm keine weißen oder hellen Momente einfallen.

Ich persönlich kenne keine Menschen, die nur schwarz oder weiß sind. Immer wieder passiert es mir, dass ich Menschen falsch einschätze. Da ist ein überheblicher, arroganter Typ, zu dem mir nichts Positives einfiel. Irgendwann hab ich ihn dann zufällig mal mit seiner Familie getroffen und gesehen, wie liebevoll er mit seinen Kindern umgeht. Und umgekehrt habe ich erlebt, wie Menschen mir mit großer Offenheit und Freundschaft begegnet sind. Hinter meinem Rücken haben sie dann schlecht über mich geredet. Ob Menschen es gut mit mir meinen oder nicht, das bekomme ich meist erst nach einiger Zeit heraus. Und welche Menschen kenne ich überhaupt so gut, um wirklich zu wissen, wie sie „ticken“?

Im Alten Testament wird vom jungen König Salomo erzählt. Gott erscheint ihm im Traum und gestattet ihm einen Wunsch. Der junge König wünscht sich ein hörendes Herz, um Gut und Böse zu unterscheiden. Und Gott erfüllt ihm diesen Wunsch. Bis heute ist die Weisheit König Salomos bekannt. Vermutlich ist es gerade für einen König ein kluger Wunsch. Ich stelle mir vor, dass besonders die, die Macht haben, so einiges erzählt bekommen und genau unterscheiden und hinhören müssen, bevor sie weitreichende Entscheidungen treffen. Ich muss mich weiterhin auf meine Menschenkenntnis verlassen. Und in Kauf nehmen, dass ich mich ab und an auch täusche. Da fallen mir die Zebrastreifen wieder ein. Die schwarzen und weißen Streifen haben wohl unterschiedliche Wirkungen. Auf jeden Fall sollen sie Angreifer verwirren. Sind die Tiere in Bewegung, können die Streifen optische Täuschungen hervorrufen. Für meine Begegnungen bedeutet das: es gibt keine Gewissheit. In jeder Begegnung bleibt das Restrisiko, dass mich mein Gegenüber täuscht. Herr, schenke auch mir ein hörendes Herz und hilf mir, das Gute vom Bösen zu unterscheiden.

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