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Zum sorglosen Leben eingeladen
Bildquelle Pixabay

Zum sorglosen Leben eingeladen

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Martin Luther war zum Schluss ziemlich dick. Auf zeitgenössischen Bildern sieht man den Reformator als einen wohlgenährten Mann, der ganz offensichtlich wusste, was gut schmeckt. Seine Frau Katharina kann nicht nur ein gutes Bier brauen. Frau Luther lässt das Haus umbauen und sich eine Küche von erstaunlichen Dimensionen einrichten. Dazu gibt’s drei große Keller für geerntetes Obst und Gemüse.

Ich glaube, Martin Luther hat sich Gott in manchen Punkten so wie seine Frau vorgestellt. Einmal schwärmt er von der Kanzel: „Der Vater im Himmel, der hat eine Küche, die so groß als die ganze Welt ist!“ Gott ist für Luther Küchenmeister und Kellner in einem. Gottes großartige Vorratswirtschaft deckt einen reichen Tisch für alles, was lebt. Und wie zu Hause bei seiner Käthe scheint ihn diese Vorstellung auch hier aller weiteren Gedanken und Mühen zu entheben. Wenn Gottes Küche die Menschen versorgt – was soll dann noch eigenes Sorgen? – fragt Luther.

Klingt recht weltfremd. In Wirklichkeit machen wir uns allergrößte Sorgen. Um uns, um morgen, um die Zukunft. Und eine vernünftige Vorsorge, die auch Katharina Luther ihre drei Keller mit Vorräten für den kalten Winter füllen lässt, hat sich doch schon manches Mal als richtig erwiesen. Aber was gilt nun: darf uns die Sorge beschäftigen oder sollen wir uns selbstvergessen und sorglos treiben lassen?

Jesus scheint eher der sorglose Typ gewesen zu sein. Er sagt mal: „Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ (Matthäus 6,25 f.)

Das ist ein eindeutiges Plädoyer für die sorglose Haltung. Ich höre das nicht wie ein Verbot, sondern als eine Einladung. Lass dich befreien aus deiner Versorgungsmanie! Sonst verlierst du aus den Augen, was Gott dir schenkt – ohne dass du es besorgen musst. Es gibt ein Gottvertrauen, das macht dich nicht verantwortungslos, sondern befreit dich.

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