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Zachäus und der entscheidende Augenblick
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Zachäus und der entscheidende Augenblick

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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Ich mag diese Geschichte vom Zöllner Zachäus. Sie steht in der Bibel und heute wird sie in katholischen Gottesdiensten vorgelesen. Zachäus war zur Zeit Jesu einer dieser verhassten Zollbeamten, der den Leuten damals das Leben schwer machte. Aber auch er war -  wie alle anderen - neugierig  und wollte Jesus, der gerade in der Stadt war, wenigstens mal sehen. Weil Zachäus eher klein war, kletterte er dafür auf einen Baum. Und just bei diesem Baum ist Jesus stehen geblieben, hat hoch geschaut und sich bei Zachäus zum Abend essen eingeladen. „Zachäus, bei dir will ich heute zu Gast sein“, soll er gesagt haben. Und nach diesem Besuch, nach dem gemeinsamen Abendessen, so heißt es, hat Zachäus sein Leben gründlich geändert. Wow, da scheint ihn Jesus ja sehr beeindruckt zu haben!

Ehrlich gesagt hege ich nicht nur Bewunderung für Jesus, sondern auch für diesen Zachäus. Wie der sich da direkt auf so einen überraschenden Besuch einlassen konnte.

Ich kann mir vorstellen: Ich wäre erst einmal ganz schön verdattert und erschrocken gewesen und hätte gedacht: Habe ich genug eingekauft und ist die Wohnung einigermaßen in Ordnung für so einen Gast? Vielleicht hätte ich auch gefragt: Äh, ginge es auch morgen?

Aber nein, anscheinend ist Zachäus einfach nur froh und nimmt die Gelegenheit, Jesus zum Gast zu haben, beherzt an. Vielleicht spürt er auch: das ist genau der Moment, auf den es ankommt, der Moment, der sein Leben verändern kann.

Kairos nennt man so einen Augenblick, den es zu nutzen gilt, ein griechisches Wort. Hopp oder topp, jetzt kommt‘s drauf an. Leider wird mir so eine besondere Gelegenheit oft erst hinterher bewusst, wenn es zu spät ist. Wie wäre es schön, wenn sich ein Gespür dafür entwickeln ließe, wann so ein Kairos ist!

Die alten Griechen hatten sogar eine entsprechende Gottheit: Kairos, das war ein wuseliger Geselle, mal hier und mal dort, ständig in Bewegung und ein schneller Läufer. Er hatte einen kahlen Hinterkopf, aber vorne eine Art Haarschopf, an dem man ihn fassen konnte. Wir sagen heute noch: die Gelegenheit beim Schopf packen.

Vielleicht bietet sich ja gerade heute eine interessante einmalige Gelegenheit, ein Kairos? Zachäus jedenfalls hat seine Chance genutzt!

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