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Wind und Wellen - auf dem Wasser und im Leben
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Wind und Wellen - auf dem Wasser und im Leben

Monika Dittmann
Ein Beitrag von

Monika Dittmann,

Katholische Seelsorgerin im Altenheim, Flörsheim am Main
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An stürmischen Tagen stehe ich besonders gerne auf meinem Balkon. Da kann ich dann Surfbretter auf dem Rhein beobachten. Die Surfer brausen über das Wasser, springen über Wellen, legen sich in den Wind, liegen mal ganz auf der Seite. Schon das Zusehen macht Freude. Wieviel mehr müssen die Surfer ihre Energie und ihre Kraft spüren und sich daran freuen!

Unberechenbarer Gegenwind macht Angst

Im Alltag machen stürmische Zeiten und Gegenwind oft eher Angst. Das Virus bringt unser Leben durcheinander, Infektionszahlen wirken wie Gegenwind in all unserer Hoffnung auf Normalität - unser Lebensboot ist in unruhige Gewässer geraten. Angst macht sich breit. Oft ist gar nicht so klar, woher der Wind weht, welche Wellen an Informationen mich gerade überschwemmen.

Sie gehen nicht unter

Ich beobachte die Surfer auf ihrem Brett gerne: Sie setzen sich dem Wind aus, nutzen die unkalkulierbaren Wellen und Windstöße, riskieren – und springen dann mit ihrem Brett über die Welle, um dann wieder sicher auf dem Wasser zu landen. Das Segel bewegen sie klug. Und wie sie den Wind nutzen, um vorwärts zu kommen! Ich staune: Sie gehen nicht unter, gleiten bald wieder sanft über das Wasser.

Den Ritt auf Wind und Wellen wagen

Wer sich nicht vor Wellen und Wind fürchtet, er macht tolle Erfahrungen vom Getragen- und Gelenktsein. Der erfährt, dass Wind und Wellen keine unbezwingbaren Kräfte sind.

Ich erinnere mich an eine Geschichte in der Bibel: Jesus ist mit seinen Jüngern am See Genezareth unterwegs. Die Jünger sind im Boot auf dem See. Wind und Wellen ängstigen sie (vgl. Matthäus 14,24). Jesu Wort damals an die Jünger macht auch mir heute Mut. Er hat gesagt: „Habt Vertrauen, fürchtet euch nicht!“ (Matthäus 14,27) Und er hat dem Sturm geboten, zu schweigen.

Vertrauen in mich und Gott machen mich stark

Ich muss nicht darüber spekulieren, ob das Virus gottgeschickt ist, oder ob Gott hinter dem Gegenwind steckt. Ich vertraue darauf: Gott ist mit uns im Lebensboot. Deshalb brauche ich mich nicht zu fürchten. Klar, Wellen und Wogen bleiben auch mir nicht erspart. Aber – wie der Surfer – hat jeder von uns Gaben und Fähigkeiten, Kräfte und Ideen, um Erschütterungen nutzen zu können. Ich erlebe es immer wieder: Wenn ich standhalte, wachsen in mir neue Kräfte. Die geben mir Zuversicht für das Morgen.

Ich wünsche mir den Mut der Surfer, die so mutig mit Wind und Wellen umgehen, und die Erfahrung der Jünger, nicht gottverlassen zu sein.

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