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Wie neu geboren
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Wie neu geboren

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

„Ich fühle mich wie neu geboren“, sagt der 31-jährige Mann aus Zentralafrika. Er ist gerade in einer Kirche im Rhein-Main-Gebiet getauft worden. Der Pfarrer hat die deutschsprachige evangelische Gemeinde gefragt: „Wollt ihr den Täufling aufnehmen und unterstützen?“ Die Gottesdienstbesucher sagen laut „Ja“. Da gleitet ein Lächeln über das Gesicht des jungen Mannes.

Er ist nicht neu in der Gemeinde. Drei Monate lang hat er sich mehrmals in der Woche mit dem Pfarrer getroffen, um den christlichen Glauben kennen zu lernen. Die Verständigung ist noch schwierig. Darum haben die beiden mit einer Kinderbibel gearbeitet und sich die Kunstwerke in der Kirche angeschaut, die Jesus, sein Wirken, seinen Tod am Kreuz und die Auferstehung darstellen. Parallel nahm er an Gruppen in der Gemeinde teil und feierte die Gottesdienste mit.

Der Zentralafrikaner kommt aus einer christlich konfessionell-gemischten Familie. Er wurde aber nicht getauft. Das Christentum hat er erst in Deutschland für sich entdeckt. Drei Jahre lang war er auf der Flucht vor der Gewalt in seiner Heimat. Er erzählt, dass er in Bulgarien sechs Monate fest saß, bis er vor einem Jahr nach Deutschland kam. In der evangelischen Gemeinde hat er eine Heimat gefunden, auch wenn noch offen ist, ob er Asyl bekommt und in Deutschland bleiben kann.

Viele Kirchengemeinden in Hessen erleben zurzeit, dass Menschen aus anderen Ländern sich für den christlichen Glauben interessieren. Manche sehen das kritisch und sagen, die wollten doch nur einen Asylgrund schaffen. Aber schnell und leicht machen es sich weder die Täuflinge noch die Kirchengemeinden. Eine Pfarrerin, die viel mit erwachsenen Taufbewerbern aus anderen Ländern arbeitet, sagt: „Die Sehnsucht bei ihnen ist groß, das Leben mit Gott zu verbinden. Ein Leben ohne Gott ist für sie keine Option. Der christliche Glaube strahlt für sie Liebe und Frieden aus.“

Für viele Christen hier ist das eine neue Erfahrung. Sie erleben, wie wichtig Religionsfreiheit ist, also das Menschenrecht, sich für oder gegen eine Religion zu entscheiden oder die Religion zu wechseln. Und sie erleben, wie Menschen aus anderen Kulturen den christlichen Glauben sehen. Als eine freundliche Religion der Freiheit.

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