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Wer kennt schon Bernhardin von Siena?
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Wer kennt schon Bernhardin von Siena?

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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Ich habe einen Abreißkalender zuhause, da stehen jeden Tag die Namenstage drauf. Für heute steht da: Bernhardin, Elfriede und Valeria. So gibt es fast jeden Tag zwei bis drei Namen. Das sind alles Heilige, im Verständnis der katholischen Kirche. Es sind Menschen, die durch einen vorbildhaft christlichen Lebensstil aufgefallen sind und als besonders glaubensstark gelten. Da gibt es ganz schön viele über die Jahrhunderte. Die meisten sind ziemlich unbekannt, so wie Bernhardin, Elfriede und Valeria. Bei vielen weiß man auch gar nicht mehr viel über ihr Leben. Andere sind natürlich viel bekannter, wie zum Beispiel der heilige Franz von Assisi oder die heilige Elisabeth von Thüringen. Manchmal sind aber auch die unbekannten Heiligen ganz interessante Typen, wie zum Beispiel heute der heilige Bernhardin von Siena.

Das Studium abgebrochen, um für die Bedürftigen einzutreten

Ein Sohn, der kurz vor dem Universitätsabschluss sein Studium abbricht, um Aktivist zu werden – ein Albtraum vieler Eltern. Das war Bernhardin im Mittelalter. Er studierte Kirchenrecht in Siena, da brach 1397 die Pest aus. Er verließ die Uni und pflegte lieber Kranke. Dann trat er in den Franziskanerorden ein und zog als Prediger durch Mittel- und Norditalien. Seine klare und einfache Sprache zog die Menschen an. Er beschäftigte sich mit sozial-ethischen Fragen und klagte die Geldgier der Reichen an. Seine Kritik an jeglichen Luxus verschaffte ihm zahlreiche Feinde. Er wurde mehrfach wegen Häresie angeklagt. Das Volk aber liebte ihn. Als er am 20. Mai 1444 starb, kamen ganz viele zu seiner Beerdigung. Und allen Gegnern zum Trotz: Bereits sechs Jahre später wurde er vom Papst heiliggesprochen.

Gegen Widerstände seine Überzeugungen leben

Ich finde die Geschichte spannend und kann dem einiges für heute abgewinnen: zum Beispiel, dass Bernhardin mal was ganz anderes im Leben macht, einen Neubeginn wagt. Und sein Verhalten in der Pandemie, auch vorbildlich: Einsatz für andere, ohne an sich zu denken. Und diese Erfahrungen mit den Kranken und Armen haben ihn geprägt: Er prangert das Luxusleben der Reichen an und fordert Gerechtigkeit. Das macht ihn angreifbar, aber das schreckt ihn nicht ab. Er hält gegen Widerstände an seinen Überzeugungen fest, nicht immer einfach.

Dieses Leben regt mich zum Nachdenken an

Das ist doch eine ganze Menge aus dem Leben des Bernhardin, was mich zum Nachdenken anregt. Und das alles verbirgt sich hinter einem einfachen Namen auf dem Kalenderblatt von heute! 

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