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Vor 70 Jahren: die Währungsreform
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Vor 70 Jahren: die Währungsreform

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Manche sehnen sich nach ihr zurück: Heute vor 70 Jahren wurde in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands die D-Mark eingeführt. Mit ihr begann ein wirtschaftlicher Aufschwung, für den eine religiöse Bezeichnung gerade gut genug war: der Begriff des Wunders. Ohne die D-Mark hätte es das deutsche Wirtschaftswunder wohl nicht gegeben. Hinter der Einführung steckte aber weniger ein göttlicher Eingriff als politisches und wirtschaftliches Kalkül: Das Vertrauen war dahin, riesige Warenmengen wurden gehortet. Die Währungsreform war wie ein Befreiungsschlag. Es ist eine merkwürdige Sache mit dem Geld. Geprägtes Metall, bedrucktes Papier, Zahlen auf einem Bildschirm halten die Welt in Atem. Und leben doch von einer bedrohten, gar brüchigen Substanz: Ohne Vertrauen kann keine Währung der Welt überleben, ohne Vertrauen ist der größte Millionenbesitz wertlos. Geld ist geprägtes, gedrucktes Vertrauen! Für viele war der Abschied von der D-Mark und die Einführung des Euro deshalb mit Sorge und Wehmut verbunden. Kein Wunder: In der D-Mark steckten Generationen von Vertrauen. Das Vertrauen in die neue Währung und in die Menschen, die mit ihr bezahlen, musste erst gelernt werden. Manchen fällt das bis heute schwer. Misstrauen greift um sich, sogar Angst. Ohne Vertrauen scheitert aber nicht nur der Euro. Ohne ein Mindestmaß an Vertrauen in die anderen, ihre guten Absichten und ihre Verlässlichkeit ist ein Zusammenleben nicht möglich. Nicht in Deutschland, nicht in Europa und nicht in der Welt. Wirtschaftskrisen sind deshalb immer auch Vertrauenskrisen, die das friedliche Miteinander der Menschen und Völker bedrohen. Man muss ja nur die Nachrichten verfolgen, um zu spüren, wie dünn der Boden aus Vertrauen, auf dem wir uns bewegen, geworden ist – und wie groß die Angst und sogar der Hass. Und da kommt die Religion dann doch ins Spiel bei der Sache mit dem Geld. Angst und Hass zu überwinden und Vertrauen zu wagen – das war so etwas wie das Lebensprogramm Jesu. Der konnte deshalb auch mit Geld ganz gelassen umgehen. „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört“, hat er einmal gesagt und die Münzen, auf die ein Kaiserbild geprägt war, gemeint. Und gewusst: Wichtiger als Geld ist allemal das Vertrauen. Wer Vertrauen schenkt, wird davon nicht ärmer.

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