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Vom Saulus zum Paulus
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Vom Saulus zum Paulus

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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„Vom Saulus zum Paulus“– das ist so eine Redewendung, wenn Leute von heute auf morgen ihre Meinung komplett ändern, wenn sich Menschen zu was Neuem, Besseren bekehren.

Vom Saulus zum Paulus – das stammt eigentlich aus der Bibel und bezieht sich auf die Bekehrung des Apostels Paulus. Vor seinem Einsatz für das Christentum hat er die Christen bekämpft und getötet. Durch ein Erlebnis vor den Toren der Stadt Damaskus wird er gewandelt, bekehrt. Drei Tage ist er erst einmal völlig verunsichert. Dann aber lässt er sich taufen und wird zum großen Verkünder des Christentums.

Zunächst verunsichert

Solche Erlebnisse rühren mich an, aber sie bleiben mir doch auch seltsam fremd: Kann ich innerhalb von drei Tagen quasi mein Leben völlig verändern? Heute noch bin ich völlig überzeugt - und morgen schon sehe ich es ganz anders? Wenn ich auf mein Leben schaue, dann sind diese plötzlichen Bekehrungen eher selten, mal abgesehen von den banalen Dingen des Alltags. Veränderungen von Einstellungen und Lebensweisen geschehen eher langsam. Erst im Rückblick kann ich sehen, was geschehen ist. Und oft kommen solche Kehrtwendungen ja auch in der Umgebung nicht so gut an. Da gehört ja auch Mut dazu, zu meinen neuen Erkenntnissen zu stehen.

Hinsehen, erkennen und ändern braucht Mut

Der Umwelt zuliebe kein Fleisch essen. Das können überzeugte Fleischesser oft nicht verstehen. Auch mir ist es schwergefallen, am Anfang. Oder auch der Freund meiner Nichte: Erst fand ich ihn ziemlich seltsam, mittlerweile sehe ich seine Stärken und Fähigkeiten und find ihn richtig gut. Diese Umbrüche und Veränderungen gibt es auch in gesellschaftlichen Zusammenhängen, z.B. der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Auch aktuell in der Corona-Pandemie gibt es das: Zuerst dachten viele an eine Grippewelle. Doch die Bilder aus Italien und aus den Intensivstationen haben viele geschockt und zu einem anderen Verhalten geführt.

Den Blick weit machen und neue Perspektiven eröffnen

Vom Saulus zum Paulus - für mich macht es deutlich: Menschen können sich ändern. Ich kann mich ändern, auch wenn ich es manchmal selbst nicht glauben will. Wer A sagt, muss eben nicht B sagen. Ich kann auch erkennen, dass A falsch war. Das macht es meistens nicht immer einfacher. Aber es ist auch eine Chance: eine Chance des Neubeginns, des Umdenkens und Anders-Machens: die will ich mir selbst und anderen nicht nehmen. Das weitet den Blick auf mich selbst und meine Überzeugungen, aber auch auf andere. Es eröffnet neue Perspektiven im Umgang miteinander und lässt Raum für unerwartete Wendungen. Eben zum Beispiel wie die Wendung vom Saulus zum Paulus!

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