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Schwierige Zeiten
Bild: jwvein/Pixabay

Schwierige Zeiten

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer landeskirchlicher Pfarrer, Kassel
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Schwierige Zeiten sind deshalb schwierig, weil man sich nicht vorstellen kann, wann sie vorbei sind. Und wie das dann sein wird, wenn alles vorbei ist. Und ob ich es jemals erleben werde, dass alles vorbei sein wird. Noch ist nichts vorbei. Und ich habe es jetzt schon satt. Ich bin müde. Liegt nicht nur an der Jahreszeit.

Ich höre mir immer wieder mal ein Lied an, das Aretha Franklin gesungen hat:

"I’m noways tired. Ich bin keineswegs müde."

Und hole dann tief Luft. Schön wär’s ja. Ich bin aber müde und gereizt. Wie viele um mich herum. Kein Wunder, woher sollen wir Kraft schöpfen? Der Song geht so weiter: "Ich bin schon über die Anfänge hinaus. Niemand hat mir gesagt, dass das Leben leicht würde." Ja, ich weiß. Ich habe kein Leben ohne Probleme gebucht, habe auch kein Recht darauf. Schön wärs trotzdem.

Und was soll das heißen: Ich bin schon über die Anfänge hinaus? Bin ich übern Berg? Wird alles ab hier und jetzt besser?

Nein, es heißt nur, dass ich schon ganz schön weit gekommen bin. Mit allen Schwierigkeiten, die das Leben mit sich bringt. Wie bei einer anstrengenden Wanderung schaue ich kurz zurück. Ich bin beeindruckt, wie weit wir schon gegangen sind. Zurückschauen hilft manchmal. Spornt mich an für den nächsten Streckenabschnitt.

Aretha Franklins Song hat diesen Refrain: "Ich glaube nicht, dass Gott mich so weit gebracht hat, um mich gerade jetzt zu verlassen."

Für manche ist das fromme Wahrscheinlichkeitsrechnung. Ich nenne das Vertrauen. Ich nenne es Glauben. Wenn Gott schon die ganze Wegstrecke meines Lebens mit dabei war, warum sollte er sich ausgerechnet in schwierigen Zeiten verabschieden? Ich finde diesen Gedanken tröstlich. Und hoffe, dass ich meine Gereiztheit und meine Müdigkeit hinter mir lassen kann. Und wenn nicht, auch das hält Gott ganz gut aus, glaube ich.

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