Reden ist silber... auch beim Beten
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Reden ist silber... auch beim Beten

Thomas Drumm
Ein Beitrag von

Thomas Drumm,

Evangelischer Pfarrer, Leiter der Akademiker-SMD, Marburg

Ein Mensch hat zwei Ohren, aber nur einen Mund, sagt ein dänisches Sprichwort. Will meinen: Es steht mir gut an, wenn ich doppelt so viel zuhöre wie rede. Ich erlebe das ja bei mir selbst: Wie gut tun mir Menschen, die zuhören können. Die mich spüren lassen: Ich interessiere mich für dich. Aber oft genug mache ich auch eine andere Erfahrung: Da fragt mich einer, wie’s mir geht, und gleich im nächsten Satz erzählt er von sich, vom letzten Urlaub, von den Kindern oder von der schwierigen Kollegin. Und die Frage an mich ist vergessen. War wohl auch nicht so gemeint.

Wenn ein Gespräch gelingen soll, braucht es beides: dass ich mich mitteile, aber auch dass ich mich zurücknehme und zuhöre. Darum die zwei Ohren und nur ein Mund. Eigentlich weiß ich das. Und doch ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich rede und nicht mehr aufhöre und schon gar nicht zuhöre.

Auch beim Gespräch mit Gott geht es mir so. Beim Beten. Da fällt mir das besonders auf. Da rede vor allem ich. Ich sage Gott, um was er sich kümmern soll und was ge-ändert werden muss. Aber vielleicht ist Beten ja noch was anderes. Nicht nur Reden, sondern auch Hören. Ich muss Gott nicht die Welt erklären und ihm sagen, wie er sie retten soll. Das weiß er bestimmt viel besser als ich.

Beim Beten strecke ich mich Gott entgegen. Es geht mir darum, Gott zu suchen. Sei-ne Nähe. Wie, als würde ich Gottes Herzschlag spüren. Keine großen Worte, son-dern still sein, hören und warten. Mir tut diese Stille gut. Da ordnen sich die Gedanken. Da kann ich loslassen und mich Neuem öffnen. Und manchmal fällt mir ein Bibelwort oder eine Liedstrophe ein, die in meine Situation hinein spricht. So redet Gott zu mir. Ich bin froh, wenn ich dann beide Ohren aufsperre.

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