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Otto Waalkes erhält den Sondermann-Preis für Komische Kunst
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Otto Waalkes erhält den Sondermann-Preis für Komische Kunst

Johannes Meier
Ein Beitrag von

Johannes Meier,

Evangelischer Pfarrer und Journalist, Kassel

Ob ich diese alte Kassette noch irgendwo habe? – Rauf und runter gehört haben wir als Jugendliche in den 80er Jahren den Mitschnitt der Otto-Show. Wir saßen vorm Kassettenrekorder und haben uns beäumelt – über die Hänsel-und-Gretel-Songparodien, über diese gackernde Lache, über respektlose Reime und Gags.
„Haben Sie schon gehört? – Der Papst will ja jetzt Selbstmord begehen! – Na, warum nicht? – Wenn er auf diese Weise beruflich aufsteigen kann…!“ – Als Otto diesen Witz damals erzählte, war die Aufregung groß. Sogar Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte von ihm gefordert, sich dafür zu entschuldigen. Heute wäre sowas ja längst kein Aufreger mehr.

Ob auch Ottos legendäre Wort-zum-Sonntag-Parodie über den Schlager „Theo wir fahr’n nach Lodz“ für Entrüstung gesorgt hat, weiß ich nicht mehr. Er spielt da einen Pfarrer mit vorgeschobenen Kinn, mit dicker Brille – und vor allem der Tonfall! „Wir alle haben unsere Sorgen und Nöte und lassen uns nicht mit billigem Trost über die Last des Alltags hinwegtäuschen.“ So beginnt seine Quatsch-Andacht. „Nun, was wollen uns diese Worte sagen“, fährt Otto salbungsvoll fort – und hält damit uns Predigern den entlarvenden Zerrspiegel vor. Bei der Ausbildung von Pfarrern oder bei Fortbildungen für kirchliche Rundfunksprecher wird dieser längst auf YouTube verewigte Sketch immer mal wieder als mahnendes Beispiel gezeigt: So bitte nicht! Naja, wir bemühen uns zumindest…

Bei Otto steht Gesellschaftskritik nie im Fokus, nur manchmal blitzt sie doch auf. Dann aber nicht ätzend-bösartig, sondern immer herrlich albern. Als Pfarrer und Sprecher vom hr1 Zuspruch nehme ich Otto seine Veralberung daher nicht übel. Im Gegenteil, ich lerne daraus. Es ist generell hilfreich, Kritik in Spaß zu verwandeln. Wenn es mir ab und zu gelingt, über das, was mich an mir selbst oder an anderen stört, herzlich zu lachen, dann verändert sich mein Blick auf die Welt. Und diese Otto-Perspektive tut einfach richtig gut.

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