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Nach dem Frauenstreik
Bild: succo auf pixabay

Nach dem Frauenstreik

Prof. Dr. Markus Tomberg
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Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Er war spezialisiert auf beißende Satire. Nichts und niemand war sicher vor seinem Spott. Er selbst: weitgehend unbekannt. Aristophanes lebte wahrscheinlich im antiken Athen, um 380 vor Christus starb er. Geblieben sind Texte, in denen quergedacht wird.

Einige von erstaunlicher Aktualität. Lysistrata zum Beispiel. Eine Komödie zum Geschlechterkampf. Der Text spielt im peloponnesischen Krieg. Das war einer der großen und vor allem langen Kriege der Antike. Fast 30 Jahre dauerten die Kämpfe. Für Aristophanes – und nicht nur für ihn –: viel zu lange. Lysistrata wurde mitten im Krieg aufgeführt. Im Zentrum der Handlung: die Frauen. Sie wollen Frieden. Der Weg dahin? Ein Streik.

Make love, not war“, würden wir heute sagen. Der Frauenstreik der Komödie setzte da an, wo es wirklich weh tut: So lange Krieg herrscht, so lange verweigern die Frauen den Sex. Damit sind sie erfolgreich. Wenn auch nur in einer etwas zotigen Komödie.

Keine Komödie: Die Szene eines anderen Frauenstreiks. Bis gestern haben Frauen in der katholischen Kirche gestreikt. Da ging es weniger um Liebe und Sex als um Aufgabenverteilung und Geschlechtergerechtigkeit. Natürlich hat auch das mit Liebe und Sex zu tun, vor allem aber mit Gender, mit Rollenzuschreibungen. Denn die Kirchen sind immer noch voll von Frauen, die die Arbeit machen, die singen und beten. Leitungsgewalt und Weihe hingegen: Männersache. Selbst Bischöfe und Papst sehen das Problem. Aber sie haben keine wirklich tragfähige Lösung. Und weil sie zölibatär leben, ist der Weg, der Aristophanes vorschwebte, auch nicht unbedingt gangbar.

Der Kirchenstreik setzte deshalb auf etwas Anderes. „Wir betreten keine Kirche mehr und tun keinen Dienst“, sagten die Frauen. Und setzten auf Kreativität. Gottesdienste haben sie selbst gefeiert - draußen. Quer gedacht und quer gehandelt.
Und gezeigt: Der Streik, die Unterbrechung des Gewohnten hat eine geistliche Dimension. Sie lädt zum Nachdenken ein. Setzt Kräfte frei. Die zum Frieden – bei Aristophanes. Die zur Reform – in der Kirche. Gut tut das allen!

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