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Kompliment
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Kompliment

Ein Beitrag von

Sandra Matz,

Pfarrerin, Evangelisches Gemeindenetz an der Nördlichen Bergstraße, Alsbach

Ich kann leider nicht besonders gut Komplimente annehmen. Vielleicht kennen Sie das ja auch… Jemand kommt freudig lächelnd auf sie zu und sagt: „Oh! Schönes Kleid!“ oder „Schönes Hemd!“ ja…und dann soll ich darauf reagieren.

Wenn mir jemand etwas Nettes sagt, antworte ich oft automatisch: „Ach das alte Ding. Das hab ich im Schlussverkauf gefunden.“ Mit dieser Unart bin ich nicht alleine. Neulich hörte ich einen Mann auf das Kompliment mit dem Hemd sagen: „Ach das. Das hat meine Frau für mich ausgesucht!“ Vielleicht hat er ja auch dem Kompliment nicht ganz getraut.

Ich bin noch nicht dahinter gestiegen, warum ich selbst mich so verhalte. Vielleicht eine Erziehungs-Sache. Bescheidenheit gilt ja bekanntlich als sehr deutsche Tugend. Manche vermuten vielleicht auch, dass das Gegenüber irgendwas von ihnen erwartet oder haben will… Und irgendwie sind wir es hier in unserem Land auch nicht gewöhnt, wenn uns Menschen loben. Ganz anders als in den USA, wo es zum guten Ton gehört, dass sich alle gegenseitig ständig sagen, wie großartig sie sich finden… „Great shoes, honey!“

Dabei ist es doch wunderbar, wenn jemand wohlwollend das Positive und das Schöne in und an mir sieht und sich dann auch noch die Zeit nimmt, es mir zu sagen. Ein echtes Geschenk, wenn es von Herzen kommt. Ich finde die einzig anständige Antwort auf ein Geschenk lautet: „Danke! Das freut mich!“

So ähnlich hat das auch jemand in der Bibel einmal gebetet: „Ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“ (Ps. 139,14) Manchmal braucht es einen Moment – oder ein paar Jährchen- bis die eigene Seele das wirklich erkennen kann: dass wir tatsächlich wunderbar gemacht sind. Und dass wir dann mit einem Lächeln sagen können: „Danke, das freut mich.“

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