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Jetzt wird´s haarig!
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Jetzt wird´s haarig!

Simone Twents
Ein Beitrag von Simone Twents, Dezernetin für Glaubenskommunikation und Pastorale Innovation, Fulda
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Es macht mir echt etwas aus, dass ich schon wochenlang nicht mehr zum Frisör gehen kann. Das schneidet mir echt ins Fleisch. Ich habe mit Freundinnen telefoniert, die dasselbe meinten: „Uuaah, Friseur wird jetzt aber echt ein Thema!“ – Und gleichzeitig haben wir uns gesagt: „Boah, wie können wir so oberflächlich sein!“ - Die Gesellschaft hat durch Corona viele dringliche Probleme. Und meine Freundinnen und ich denken an: Friseurbesuch!

Dann ist mir eine Bibelstelle wieder eingefallen, in der es heißt: „Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.“ Was Gott damit meint: „So wertvoll ist für mich jeder einzelne Mensch. So sehr bin ich an jedem persönlich interessiert. So sehr kümmere ich mich.“
Ich musste kurz lachen und habe mir gedacht: „Okay lieber Gott, Du interessierst dich für meine Haare. Dann ist es wohl nicht so schlimm, wenn ich mich auch für meine Haare interessiere.“

Darin finde ich aber das Radikale am christlichen Glauben: Der Grund, warum es überhaupt etwas gibt, ist an mir persönlich interessiert! Die Frage „Warum gibt es etwas und nicht stattdessen nichts?“ ist so alt wie die Menschen. Keiner kann sie definitiv beantworten. Trotzdem können Menschen nicht aufhören, sie zu stellen. Die Antworten darauf nennen einige Zufall, andere Evolution. Ich als Christin nenne sie Gott. Und dieser Gott, das muss man sich mal vorstellen: ist an mir persönlich interessiert!Stark, der christliche Glaube: Der Grund, aus dem überhaupt Dinge existieren, ist nicht nur ein Prinzip. Sondern dahinter steckt eine starke, liebevolle Kraft, die auf mich schaut. Gott ist mir zugewandt – er hat sogar die Haare auf meinem Kopf alle gezählt!
Bis zum letzten Zipfel und Gipfel, sogar zu meinen Haaren, ist Gottes Interesse da. Es ist Liebe da, ich bin getragen, gewollt, gemeint.

Ich denke mir: Ich bin nicht nur in diese Welt geworfen und muss jetzt hier irgendwie klarkommen. Sondern der Grund, weshalb es die Welt überhaupt gibt, ist an mir interessiert. Er ist nicht nur ein unpersönliches Prinzip. Er ist eine große segnende, liebende Kraft, die mich auch in dieser Corona-Krise im Blick hat. Das hält und trägt mich gerade.

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