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Ichlinge
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Ichlinge

Dr. Joachim Schmidt
Ein Beitrag von

Dr. Joachim Schmidt,

Evangelischer Pfarrer, Darmstadt

Darauf muss man erst mal kommen: Im Stau auf der Autobahn Campingstühle auspacken, es sich in der Rettungsgasse gemütlich machen und die Rettungsfahrzeuge behindern. Oder einfach rückwärts bis zur nächsten Anschlussstelle fahren wollen. Oder aussteigen und mit dem Hund spazieren gehen. Genau so gerade auf der A3 geschehen. Und Ähnliches passiert immer wieder. Man greift sich an den Kopf. Kann es sein, dass manche Autofahrer ihr Hirn einfach ins Handschuhfach tun? Oder hinten vor der Heckscheibe ablegen, da, wo schon die Klorolle liegt?

Ich, ich und nochmal ich. Was kümmern mich die anderen? Schon immer gab es solche Zeitgenossen, die rücksichtlosen Ichlinge. Aber seit einiger Zeit fallen mir diese Rücksichtlosen deutlich mehr auf. Es ist viel davon die Rede, dass unser Land gespalten sei zwischen reichen Leuten und vielen, die nur gerade so über die Runden kommen. Ich glaube, es gibt noch eine ganz andere Spaltung: Zwischen den vielen, die sich sozial und rücksichtsvoll gegenüber ihren Mitmenschen verhalten und den anderen, denen das alles scheissegal ist.

Ob diese asozialen Zeitgenossen wirklich mehr werden, weiß ich nicht. Mir scheint aber, dass sie kaum jemand zur Rede stellt. Wer hat eigentlich den Mut, energisch so einen hirnlosen Ichling anzusprechen, der aus Dummheit oder Arroganz eine Rettungsgasse auf der Autobahn blockiert oder Sanitäter behindert? Vielleicht sind das ja zu wenige. Alle Eltern wissen, dass soziales Verhalten anerzogen ist. Wenn das in der Jugend versäumt wurde, wird es schwierig, aber die Aufgabe bleibt. Wer solche Ichlinge achselzuckend gewähren lässt, macht sich mit verantwortlich für die Folgen. Auf der Autobahn und anderswo.

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