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Gott ist Liebe
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Gott ist Liebe

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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Gott ist Liebe. Manchmal klingt dieser Satz wie eine Phrase. Für Therese von Lisieux, an die man besonders im Oktober in der katholischen Kirche denkt, ist dieser Satz zur Wahrheit geworden. Die kleine Therese – wie sie auch genannt wird – hat kein langes Leben gehabt. Schon mit 24 Jahren ist sie gestorben. Und auch ihr Lebensweg war kein Spaziergang. Schon früh verliert Therese aus der Normandie ihre vier Geschwister, danach ihre Mutter, dann ihre Stiefmutter. Therese erkrankt an Tuberkulose, und psychisch leidet sie unter religiösem Drill, der Gott als strengen Richter betont. Eines Tages jedoch, und niemand weiß warum, macht sie die Erfahrung: Gott ist nur Liebe. Selbst ihre Krankheit kann sie von dieser Erkenntnis nicht abbringen. Krankheit und Leiden sind für sie nicht Folge von Schuld oder von Strafe Gottes, sondern ein Weg, in der Liebe zu wachsen.

Trotz schwerer Krankheit ihren Frieden mit Gott gefunden

Als ich Thereses Geschichte vor vielen Jahren las, dachte ich: Das ist mal wieder so eine ausgeschmückte Heiligenlegende. Das gibt es doch gar nicht. Aber dann habe ich eine ganz ähnliche Geschichte erfahren. Ich war damals in Südtirol zum Skifahren. Meine Skilehrer hat mir am letzten Abend die Geschichte seiner Tochter Petra erzählt, die im Alter von 16 Jahren an Krebs gestorben war. Sie hatte kurz vor ihrem Tod ein Büchlein mit eigenen Aufzeichnungen herausgegeben. Sie weiß, dass sie sterben wird. Sie würde noch gerne leben, aber die Krankheit ist für sie nun der Weg der Reife geworden. Petra schreibt, wie sie im Glauben an Gott so viel Kraft gefunden hat, dass sie mit sechzehn Jahren sterben konnte – nicht verbittert, sondern im Frieden.

Würde ich mich auch in Gottes Hände fallen lassen?

Ich habe diese Geschichte oft mit Jugendlichen gelesen. Für die Jugendlichen und mich war dieser niedergeschriebene Erfahrungsbericht eines todkranken Mädchens ein wirklicher Schock und eine Faszination zugleich. Da glaubt jemand wirklich. Da lässt sich jemand, der nicht mal aufgeblüht ist, einfach in die Hände Gottes fallen. Unfassbar. Gott ist Liebe. Wenn Menschen wie Therese oder Petra diesen Satz schreiben, dann glaube ich das. Dann ist das keine hohle Phrase, sondern eine wirkliche Erfahrung für diese jungen Frauen geworden. Und ich frage mich natürlich: Kann ich so was auch erleben - oder habe ich sowas schon erlebt?

In solchen Momenten spüre ich Gottes Liebe

Nicht so wie Therese oder Petra: Mir geht es eher so, dass ich das in zwischenmenschlichen Begegnungen erfahren habe. Es gab in meinem Leben Menschen, die mich aufgerichtet haben, wenn ich traurig war, da habe ich dann gedacht: so müsste doch auch Gott sein. Oder wenn ich mit Menschen, die im Sterben lagen, gebetet habe und sie dabei Trost und Frieden fanden, dann habe ich gedacht: das ist ein Stück vom Reich Gottes – ein Mensch kann in Frieden gehen. Gott ist Liebe. Ich glaube, dass dieser Satz stimmt. Und manchmal kann ich ihn spüren.

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