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Der Weg der Freiheit
Corinne Poleij/GettyImages

Der Weg der Freiheit

Rüdiger Kohl
Ein Beitrag von

Rüdiger Kohl,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt-Bockenheim
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Frei sein: Im Urlaub bekomme ich oft eine besondere Ahnung davon. So wie kürzlich bei unserem Familienurlaub in den Niederlanden in der Provinz Zeeland. Zehn Tage lang hatten wir ein Strandhaus bei dem kleinen Ort Cadzand an der Nordseeküste gemietet. Vor dem Einschlafen und beim Aufwachen hörten wir das Rauschen der Wellen. Im Meer baden, mit meinem kleinen Sohn im Sand spielen und Drachen steigen lassen. Die Seele baumeln lassen. Frei von Termindruck und Verpflichtungen.

Das Thema Frei sein begegnete uns im Urlaub auch auf eine andere Weise. Bei einem Ausflug  in Cadzand-Bad stießen wir auf den “Walk of Freedom”, den „Weg der Freiheit“. Er ist eng verbunden mit dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, dessen Vorfahren aus dem niederländischen Zeeland stammen. Auf einer Tafel an diesem „Walk of Freedom“ konnten wir lesen: In einer Kongress-Rede 1941 beschwor Roosevelt die „vier Freiheiten“, die allen Menschen auf der Welt zustehen: die Redefreiheit, die Glaubensfreiheit, die Freiheit von Not und die Freiheit von Furcht.

Der „Weg der Freiheit“ hat mich beeindruckt. Diese vier Freiheiten sind Menschenrechte. Sie müssen immer wieder und an allen Orten verteidigt werden. Eleonore Roosevelt, die Witwe des ehemaligen US-Präsidenten, hat das so gesagt: „Wo beginnen die allgemeinen Menschenrechte? An kleinen Orten, zu Hause. So nah und so klein, dass sie auf keiner Weltkarte zu sehen sind.“ Eleonore Roosevelt schreibt weiter: „Dennoch sind sie (die allgemeinen Menschenrechte) die Welt der einzelnen Person: die Nachbarschaft, in der wir leben; die Schule oder Uni, die wir besuchen; die Fabrik oder das Büro, in dem wir arbeiten. Das sind die Orte, an denen jeder Mann, jede Frau, jedes Kind Gerechtigkeit, gleiche Chancen und gleiche Würde ohne Benachteiligung suchen.“ Eleonore Roosevelt ist überzeugt: „Ohne ziviles Engagement für diese Rechte zu Hause werden wir den Fortschritt in der größeren Welt vergebens suchen.“

Auf dem „Walk of Freedom“ in den Niederlanden haben wir kleine Stahlschilder entdeckt mit Namen drauf, die in den Boden und in die seitliche Wand eingelassen sind. Namen von Menschen oder Gruppen, die den “Four Freedoms Award” erhalten haben. Dieser niederländisch-amerikanische Preis  ist eine jährliche Auszeichnung für Personen und Gruppen, die sich um „die vier Freiheiten“ in ihrem Umfeld verdient gemacht haben. Auf den Schildern stehen zum Beispiel Helmut Schmidt, Dalai Lama, Nelson Mandela, „Ärzte ohne Grenzen“ und viele andere Namen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Preis erhalten. Weil sie bei der Aufnahme von Flüchtlingen die Menschenrechte in den Mittelpunkt gestellt hat. Unabhängig vom Glauben und der Herkunft der Menschen. Angela Merkel hat so viele Bürgerinnen und Bürger motiviert, sich für andere einzusetzen.

Der Urlaub bei dem kleinen Ort Cadzand in den Niederlanden hat uns gut getan. Zu den schönen Erinnerungen zähle ich diesen „Walk of Freedom“. Er macht Mut, sich für Freiheit einzusetzen. Dort, wo ich lebe. In meiner Nachbarschaft. In der Schule, an der ich unterrichte. In der Kirchengemeinde, in der ich arbeite.

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