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Alt werden, jung bleiben
Bildquelle Pixabay

Alt werden, jung bleiben

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

In der letzten Zeit wird viel übers Altwerden und über das Altsein gesprochen und geschrieben. Oder kommt es mir nur so vor? „Die Kunst, stilvoll älter zu werden“ – so heißt ein Buchtitel – diese Kunst scheint viele zu beschäftigen. Der 86jährige Heiner Geißler behauptet, sich noch so fit wie mit 60 zu fühlen. Und auch Martin Walser, gerade 90 geworden, bestreitet, im Alter anders zu ticken als vor Jahrzehnten. Und versteigt sich sogar zu der Äußerung, dass seine Pubertät eigentlich nie aufgehört hat.

Die Alten, die „jungen Alten“, wie wir sie nennen, sind in unserem Jahrhundert etwas Neues, weil die Menschen eine höhere Lebenserwartung haben als frühere Generationen. Aber auch schon in biblischen Zeiten hat man alten Menschen besondere Chancen zugesprochen.

Abraham zum Beispiel. Der fängt, ziemlich alt, noch einmal was ganz Neues an. Er verlässt seine Heimat, wandert aus, setzt alles auf eine Karte. In der Bibel steht: Er ist 75 Jahre, als er sich entscheidet, Gottes Ruf zu folgen und ein ganz neues Kapitel aufzuschlagen. Zu alt dafür? Für den biblischen Abraham ging es da erst richtig los. Was er in all den Jahren vorher gemacht hat, verblasst geradezu. Gott hatte mit dem „Silver Ager“ einfach noch etwas vor. Gott macht ihn zum Stammvater eines ganzen Volkes.

Wer solche Geschichten in seiner Tradition hat, sollte mit Überraschungen auch für das eigene Alter rechnen. Wer weiß, was da noch alles kommen kann? Wer weiß, was Gott noch mit mir vorhat? Das können sehr spannende Zeiten sein.

Aber vielleicht muss man ja gar nicht aufs Altwerden warten. Die pubertierenden Alten machen nur vor, was auch jüngeren möglich ist: Sie lassen einfach hinter sich, was war – und springen geradezu in einen neuen Anfang hinein. Und das ist auch für noch nicht so alte Menschen attraktiv: endlich nicht mehr jedem Trend hinterher zu laufen, sich endlich nicht mehr taxieren zu lassen: wie sportlich oder wie anerkannt bist du? Endlich mal so zu sein, wie man sein will. Und neugierig darauf zu sein, was Gott noch mit mir vorhat.
 

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