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Ach wie gut, dass niemand weiß
Bildquelle Pixabay

Ach wie gut, dass niemand weiß

Ein Beitrag von

Janine Knoop-Bauer,

Evangelische Pfarrerin, Darmstadt

„Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.“ Das Männlein, das um sein Lagerfeuer tanzt, hat Böses im Sinn. Es fordert das Kind der Königin. Das hat sie ihm einmal versprochen: Damals hatte das Rumpelstilzchen ihr geholfen. Stroh hat es für sie zu Gold gesponnen. Nun fordert es seinen Lohn. Und den wird es auch bekommen – es sei denn, die Königin erfährt seinen Namen binnen dreier Tage.

Sie wissen sicherlich, wie das Märchen dann tatsächlich ausgeht. Das Rumpelstilzchen hatte einen Zuschauer, als es um das Feuer tanzte. Und der erzählt der Königin, was er gesehen hat. Erzählt vom Tanzen und Singen. So erfährt die Königin den Namen doch, und Rumpelstilzchen zerreißt sich selbst vor Wut mitten entzwei.

Die Macht des Rumpelstilzchens liegt in seinem Namen. Als der Name offenbar wird, ist die Macht gebrochen. So haben die Gebrüder Grimm das Märchen überliefert. Dass Namen etwas mit Macht zu tun haben, ist auch in der jüdisch christlichen Tradition ein vertrauter Gedanke.

Auch Gottes Macht ist eng verbunden mit seinem Namen. Aber Gottes Macht wächst, wenn sein Name bekannt wird. Und: Gott selbst gibt seinen Namen kund, damit seine Macht deutlich wird.

Erzählt wird davon im zweiten Buch Mose . Da wird berichtet, wie Gott die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Gott beauftragt Mose mit dieser schwierigen Mission. Mose ist zu diesem Zeitpunkt jedoch in misslicher Lage. Der Sohn einer Israelitin und Ziehsohn einer ägyptischen Prinzessin ist auf der Flucht. Er hatte aus Zorn einen Ägypter erschlagen. Er hatte es nicht ertragen können, wie die ägyptischen Aufseher die jüdischen Sklaven behandelten.

Nun versteckt er sich bei einem Verwandten. Und er arbeitet als Hirte. Nichts deutet in dieser Situation darauf hin, dass Mose einmal der machtvolle Mann werden wird, der das jüdische Volk aus der Sklaverei herausführt. Und da sieht er in der Wüste einen brennenden Busch. Ein Feuer, das lodert, ohne das Holz zu verbrennen.

Er spürt: hier geschieht etwas Besonderes. Er geht zu dem Feuer und Gott spricht zu ihm. Gott gibt Mose einen Auftrag. Mose soll zum jüdischen Volk gehen und berichten: Gott wird uns retten. Gott hat unsere Klagen gehört. Gott wird uns aus der Sklaverei befreien. Doch Mose spürt: Sie werden mir nicht glauben. Sie werden mir solange nicht glauben, wie ich nicht weiß, in wessen Namen ich spreche. Mose weiß: der Name gibt die Macht. Nach dieser Macht fragt er Gott. Und Gott offenbart seinen Namen. Er gibt ihn preis und stattet Mose so mit der nötigen Macht aus. Im Namen dieses Gottes macht sich Mose auf den Weg. Im Namen dieses Gottes wird er vom Flüchtling zum Anführer.

In Gottes Namen liegt Macht. Diese Macht weiterzugeben, gehört zum Christentum. In der Taufe wird das deutlich. In der Taufe bekommt jeder Täufling Anteil am Namen Gottes. Denn wenn Kinder getauft werden, dann auf den Namen Gottes – auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Als Christin trage ich so Gottes Namen als Zweitnamen. Ich erinnere mich daran gerne. Es gibt mir Kraft, wenn ich mich den Aufgaben, die vor mir liegen nicht gewachsen fühle. In Gottes Namen liegt für mich eine Stärke die dann hilft. Vielleicht auch im Umgang mit bösen Geistern, wie dem Rumpelstilzchen.

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