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Wohin soll ich mich wenden?

Wohin soll ich mich wenden?

Monika Dittmann
Ein Beitrag von

Monika Dittmann,

Katholische Seelsorgerin im Altenheim, Flörsheim am Main
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Ein Strahlen geht über die Gesichter der alten Menschen. Und sie singen kräftig mit: „Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?“ So geht das Lied los, das ich mit ihnen anstimme beim Sonntagsgottesdienst im Altenheim. Die alten, bekannten Lieder sind bei ihnen besonders beliebt. Deswegen suche ich sie ganz bewusst aus. „Wohin soll ich mich wenden?“ - Dieses Lied hat Franz Schubert für seine Deutsche Messe komponiert.

„Wohin soll ich mich wenden…?“ Mit dem alten Lied leben bei den alten Menschen viele Erinnerungen auf. Zugleich steckt darin auch eine Menge Lebens- und Glaubenserfahrung. „Du heilest jeden Schmerz“ heißt es da zum Beispiel. Diese Menschen haben die Erfahrung gemacht, wohin sie sich wenden können, wenn die Last zu groß wird. Gott können sie alles klagen. Ihn können sie alles fragen. Und auch das eigene Versagen darf ich ihm hinhalten. Ein alter Herr, der viel Kriegsleid in sich getragen hat, hat mir einmal gesagt: „Ich habe viel falsch gemacht im Krieg. Ich bin froh, dass ich mit meiner Schuld vor Gott sein kann. Er vergibt.“

Das ist die Erfahrung so vieler alter Menschen – und mit dieser Erfahrung gehe auch ich durchs Leben. Hinzu aber kommt, dass ich auch danken und loben kann. Ich weiß in allen Lebenslagen, wohin ich mich wenden kann. Auch heute Abend kann  ich meine Gedanken und auch meinen Dank gen Himmel schicken.

In dem Lied von Franz Schubert geht es übrigens noch weiter; da geht es nicht nur um Leid, sondern auch um Freude und Entzücken. Das Lied nimmt nicht nur das Schwere in den Blick, sondern bringt Gott auch die Freuden des Lebens.

Die ganze erste Strophe lautet:
„Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?
Wem künd ich mein Entzücken, wenn freudig pocht mein Herz?
Zu dir, zu dir, o Vater, komm ich in Freud und Leiden,
du sendest ja die Freuden, du heilest jeden Schmerz.“

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