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Wie die Welt heiler wird
Bildquelle Pixabay

Wie die Welt heiler wird

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Immer nur lächeln. So steht Beate Zschäpe in München vor Gericht. Seit über vier Jahren schon. Sie wirkt oft stolz auf mich, leicht überheblich, manchmal wie empört. Als habe sie mit all dem nichts zu tun, was ihr vorgeworfen wird: Mittäterschaft an zehn Morden, einer davon in Kassel. Jetzt trifft sie die Härte des Gesetzes. Der Staatsanwalt fordert lebenslange Haft für sie, anschließend Sicherungsverwahrung. Das können viele Jahrzehnte Gefängnis werden. Frau Zschäpe ist 42 Jahre alt. Ob sie jemals wieder freikommt? 
Recht und Gesetz sind ein Glücksfall. Das wissen alle, die im Unrecht leben müssen. Recht und Gesetz lindern keinen Schmerz; machen Ermordete nicht wieder lebendig. Etwas Genugtuung aber können sie schaffen. Opfer haben das Recht auf Genugtuung. Und Täter müssen wissen, dass sie ihre Freiheit verwirken. Frau Zschäpe wirkt manchmal, als könne sie nicht glauben, was ihr geschieht. Vielleicht hält sie sich für ein Opfer der beiden Männer, mit denen sie lebte. 
Es geht aber nicht um Frau Zschäpes Befindlichkeiten, sondern um Recht und Gesetz. Ein Urteil muss die Welt der Opfer wieder  geraderücken, soweit möglich. Täter dürfen nicht entkommen. So ist Gottes Wille. Ihn zu erfüllen ist auch unser Werk. Wir werden die Welt nie gerecht machen, leider. Viele Taten bleiben ungesühnt, vermutlich bis zum Jüngsten Gericht. Dem allerdings entgeht dann keiner mehr. Was wir bis dahin tun können, tun wir: wir schaffen denen Recht, die es verdienen. Recht ist wie das Verbinden von Wunden. Opfer verdienen Genugtuung. Und Täter Strafe. Damit die Welt heiler wird.

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