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Weil er so freundlich grüßt
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Weil er so freundlich grüßt

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Der alte Herr müht sich. Es ist sein Haus mit viel Laub auf der Straße. Und in der Einfahrt zur Garage. Da ist es eine Last. Der Wind weht große Haufen zusammen, der alte Herr muss sie wegmachen. In jedem Herbst. Es ist nicht sein Laub, aber sein Grundstück. Heute müht er sich wieder. Fegen, bücken, in den Eimer werfen. Der Rücken meldet sich. Er muss schnaufen und macht viele Pausen. Wie alles einmal werden wird…

Nicht weit von ihm fährt ein Wagen der Stadtreiniger. Alles Laub in zwei Minuten. Der Wagen ist laut. Am Steuer sitzt einer, der aufpasst, wo er hinfährt. Und Kopfhörer auf den Ohren hat. Mit oder ohne Musik. Der alte Herr schaut neidisch. So ein Tempo. Das hatte er auch einmal. Der Wagen fährt rauf und runter auf dem Bürgersteig. Jetzt kommt er dem alten Mann näher. Der drückt gerade wieder seinen Rücken durch. Er sieht den Fahrer und grüßt. Der Fahrer versteht nichts wegen der Kopfhörer. Er nimmt sie ab und schaut fragend. Der alte Herr sagt: Guten Morgen, frohes Schaffen. Der Fahrer nickt, lacht, und fährt weiter. Aber nur kurz. Dann dreht er um, nimmt wieder die Kopfhörer ab und sagt zu dem alten Herrn: Lassen Sie, ich fahre eben mal drüber. Und fährt die Einfahrt mit dem vielen Laub rauf und runter. Alles ist weg. In Windeseile. Der alte Herr staunt. Und winkt mit den Händen. Danke, sagt er, danke. Und: Wie komme ich denn zu dem Glück? Der Fahrer sagt: Weil sie so freundlich gegrüßt haben, setzt die Kopfhörer auf und fährt davon. Weil er so freundlich gegrüßt hat, nimmt ihm einer die Last ab. Und schon ist es da, das Reich Gottes, die andere Welt in dieser. Jedenfalls ein bisschen.

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