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Viel gefordert - die Polizei
Pradeep Thomas Thundiyil/GettyImages

Viel gefordert - die Polizei

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt
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 "Wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern", steht in der Bibel (Lukas 12,48).

Polizistinnen und Polizisten ist viel anvertraut. Sie haben Macht und Waffen und können, wenn es sein muss, davon Gebrauch machen, um für Recht und Sicherheit zu sorgen.

Und es wird viel von ihnen gefordert. Das fängt bei der Verkehrskontrolle an und hört bei Einsätzen, wo Menschen prügelnd auf andere losgehen, nicht auf.

Jetzt zu Corona-Zeiten kommt noch dazu, dass sie Leute auf Abstandhalten und Mund-Nasen-Schutz hinweisen müssen. Ich bin Polizisten und Polizistinnen für ihren Schutz und ihren Einsatz dankbar.

Polizisten und Polizistinnen brauchen ein dickes Fell

Sie brauchen oft ein dickes Fell. Es erfordert innere Stärke, damit man gelassen bleibt, wenn Leute nur von "den Bullen" reden, wenn sie die Beamten beschimpfen, bespucken oder sogar gewalttätig gegen sie werden.

Ein harter und verantwortungsvoller Job

Ein harter Job. Und ein verantwortungsvoller. "Wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern." Vertrauen ist die Basis.

Es erschüttert das Vertrauen, dass jetzt wieder rechtsextremistische Gruppen in den Reihen der Polizei aufgedeckt wurden.

29 Polizisten und Polizistinnen in Mülheim an der Ruhr haben sich in privaten Chatgruppen Bilder von Adolf Hitler und Fotomontagen von Flüchtlingen in KZs zugeschickt.

Das Vertrauen ist erschüttert

Es ist nicht der erste Fall. Ähnliche Chatgruppen mit rassistischen Bildern und NS-verherrlichenden Witzen unter Polizisten kamen in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg heraus. Da wird mir schlecht. Es jagt mir Angst ein.

Büßen muss das die große Mehrheit der Polizisten, die ihren Dienst aufrichtig und gut machen. Ich habe mit dem Polizei-Ehepaar telefoniert, das ich letztes Jahr getraut habe. Die beiden sind genauso schockiert wie ich. Und sie fürchten, dass nun alle bei der Polizei mit den Neonazi-Typen in einen Topf geworfen werden. 

Gründliche Aufklärung tut Not

Damit nicht die einzelnen guten Polizisten mit an den Pranger gestellt werden, braucht die Polizei als Ganze tatsächlich so etwas wie Buße: nämlich gründliches Aufklären. Sich selbst fragen und prüfen, inwiefern sie als Polizei-Gemeinschaft begünstigt oder wegschaut, wenn es Rechtsextremisten in ihren Reihen gibt. Es braucht Prävention, damit das aufhört.

Denen bei der Polizei, die sich daran beteiligen, die aufklären und sich nicht wegducken, wenn solch ein Skandal ans Licht kommt, denen will ich heute besonders gerne "Danke" sagen.

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