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Thank you for travelling with Deutsche Bahn
Bildquelle Pixabay

Thank you for travelling with Deutsche Bahn

Ein Beitrag von

Sandra Matz,

Pfarrerin, Evangelisches Gemeindenetz an der Nördlichen Bergstraße, Alsbach

Zu einem Termin in Hamburg bin ich mit der Bahn gefahren. Das günstigste Ticket, das ich kriegen konnte, war ein Sparpreisticket 1. Klasse. Ich Glückspilz! Ich reise nie 1. Klasse. Ich würde bequem sitzen können – und kleine Snacks und kostenlose Zeitungen angeboten bekommen. Großartig!

Am Bahnsteig in Frankfurt kommt dann die Ernüchterung. Am Gleis fährt kein schicker ICE ein, sondern eine klapprige Regionalbahn. Auf ihren Türen und der Anzeigetafel steht das unheilvolle Wort: Ersatzzug.
Na, toll! Da hab ich einmal ein 1. Klasse Ticket für den ICE, und dann das. Nach dem Einsteigen drängen mich von hinten Passagiere. „Alles besetzt. Die Reservierungen konnten nicht beibehalten werden.

Mit einem Ruck setzt sich der Klapperzug in Bewegung. Die nächsten Stunden verbringe ich zusammengekauert auf dem nicht ganz keimfreien Fußboden zwischen zwei Abteilen. Direkt vor der Toilette. Ätzend.
Finden die anderen auch, die um mich herum stehen. Wir sind zu viert. Ein älterer Herr guckt finster und sagt nichts, zwei Damen reden sich richtig in Rage. „Unmöglich!“ „Wer hat da die Verantwortung!“ Meine Mitreisenden wollen ihr Geld zurück. Zurecht. Ich auch! Mir tut jetzt schon der Schaffner leid, der uns kontrollieren muss.

Doch dann sagt ein Mitreisender etwas. Der Mann ist Anfang 40 und seine Beine sind zu lang, um in dem schmalen Gang bequem sitzen zu können. Doch er lächelt: „Ach ihr Lieben. Es könnte doch viel schlimmer sein.“
Der ältere grimmig drein guckende Herr fragt ohne aufzublicken: „Und wie?“ Darauf sagt der Mann mit den langen Beinen und dem Lächeln: „Wir könnten hier sitzen mit Menschen, die uns komplett unsympathisch sind!“ Wir müssen lachen. Und ich denke: Wie gut, dass es Menschen gibt, die auch in nervigen Situationen das Positive um sie herum im Blick behalten. Denn das lässt sich überall finden. Sogar in einem überfülltem Ersatzzug auf dem Gang vor den Toiletten. Die Gespräche, die wir vier dann während der restlichen Fahrt führen, sind tatsächlich 1. Klasse.

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