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Notfallspur
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Notfallspur

Norbert Mecke
Ein Beitrag von Norbert Mecke, Dekan, Evangelischer Kirchenkreis Melsungen

„Von der Autobahn runter und dann die Straße ordentlich bergab bis zu uns!“ – So beschreibe ich Besuchern, wie man zu uns nach Melsungen kommt! Was für mich als Autofahrer „mal eben schnell bergab“ heißt, kann auf derselben Strecke für Lkw-Fahrer gefährlich werden. Die lange Schussfahrt könnte übel enden, wenn die Bremsen zu heiß laufen oder versagen. In Herborn gab es vor fast 30 Jahren einen solchen schrecklichen Unfall, als bei einem Tanklastzug auf einer Gefällstrecke die Bremsen aussetzten. Er raste in eine Eisdiele und explodierte.

Deshalb gibt es dort und bei uns seit vielen Jahren Notfallspuren. Wenn nichts anderes mehr hilft, fährt ein Fahrer in ein Kiesbett und wird so abgebremst – bevor es zum Schlimmsten kommt.

Manchmal wäre eine solche Sicherheitsvorkehrung auch in anderen Lebensbereichen gut. Da sitzen Menschen eben noch fest im Sattel und  - schwups - entgleitet ihnen die Kontrolle. Dem einen glühen die Sicherungen der Gefühle durch. Er bricht aus und fährt damit die ganze Familie vor die Wand. Bei anderen hat das Leben so sehr Geschwindigkeit aufgenommen, dass es ausbrennt. Wenn es dann für die Notbremsung gesundheitlich schon zu spät ist, droht der große Knall. Ich kann nicht nur im Auto verunfallen. Das ganze Leben birgt mit seinen Schussfahrten jede Menge Risiken. Ich habe auf mancher Gefällstrecke von Gesundheit, Emotionen und Versagen weniger im Griff als mir lieb ist.

Gut, wenn dann rechtzeitig Notfallspuren eingerichtet sind. Gute Freude sind so etwas. Die bremsen mich auch mal aus: „Komm runter!“ Die fangen auf, wie so ein Kiesbett. Oder zeigen mir rechtzeitig Auswege, wenn´s bei mir im Leben zu rasant wird! Und: Dass ich zu Gott beten kann! Das hilft mir enorm. Beten ist wie Fahrt rausnehmen. In einer Stille ankommen, die mich wohltuend ausbremst, wenn die Gäule durchgehen: „Halt! - Halt mich, Gott!“

Haben Sie auch so eine Notfallspur? Für alle Fälle.
Ja, ich glaube, bei Gott gilt das wirklich: Für alle Fälle!

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