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Nie wieder ohne Gott
Bildquelle: Reijo Telarante/Pixabay

Nie wieder ohne Gott

Maike Westhelle
Ein Beitrag von

Maike Westhelle,

Evangelische Pfarrerin, Studienleitung am Studienhaus Marburg
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In Jerusalem gibt es das Gartengrab. Eine in den Fels geschlagene Höhle mit mehreren Plätzen, an denen Tote hingelegt werden konnten. Eine Zeit lang galt es als Grabstätte Jesu. Inzwischen weiß man, dass das Grab Jesu unter der heutigen Grabeskirche lag. Aber nach wie vor ist das Gartengrab bei Pilgern als Ort der Besinnung beliebt. Heute ist es ein wunderschöner Garten, etwas außerhalb der Altstadt, ruhig gelegen.

Ich war als Schülerin zum ersten Mal dort. Wir hatten vorher gemeinsam die biblischen Texte von Jesu Kreuzigung und Tod gelesen. Sie sind grausam und machten mich damals sehr nachdenklich: Wozu musste es ein so brutaler Tod sein? Warum ist Karfreitag für manche Christinnen und Christen der höchste Feiertag? Mich ärgerte das damals. Wenn Gott die Liebe ist – was sollte das dann? In dieser Stimmung ging ich zum Gartengrab.
Als ich an die Grabhöhle kam, saß eine Frau auf einer Bank davor. Mittelalt, schwarz gekleidet und offenbar in tiefer Trauer. Sie beachtete nichts und niemanden um sich herum, sondern weinte – mal stumm und mal lauter.

Vielleicht hat Maria auch so um ihren Sohn Jesus geweint, dachte ich.
Vielleicht ist genau das der Sinn dieses grausamen Todes: Dass Gott das Leid und den Schmerz nicht nur kennt, sondern selbst erlebt hat. Er thront nicht über den Dingen. Jesus starb einen schmerzhaften, einsamen Tod – und ist uns genau deswegen nah.

Für mich hat sich damals am Gartengrab etwas geklärt: Liebe ist nicht immer nur rosarot und heiter. Liebe ist besonders stark, wenn sie mitleidet und mittrauert. Seit dem Kreuzestod Jesu ist Gott wirklich in allen Lebenslagen an unserer Seite. Gott sei Dank!

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