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Mein schwarzer Anzug

Mein schwarzer Anzug

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Medienkoordinator des Bistums Mainz
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Ich hatte ihn für einen fröhlichen Anlass gekauft: meinen schwarzen Anzug. Für meine Hochzeit war ich in ein Herrenbekleidungsgeschäft gegangen, um ihn dort zu erstehen. Und wenn ich heute meine Hochzeitsbilder so betrachte: Ich habe ganz gut ausgesehen neben meiner Frau. Seit der Hochzeit hängt der schwarze Anzug in meinem Kleiderschrank. Sein Schnitt ist ein bisschen aus der Mode gekommen. Trotzdem habe ich ihn in den vergangenen Monaten immer wieder anziehen müssen. Es waren allerdings keine fröhlichen Anlässe.

Denn ich habe in diesem Jahr oft Abschied nehmen müssen von Menschen, die mir nahestanden. Erst starb mein Schwager, dann meine Oma. Wenig später die Patentante meiner Frau, dann mein Onkel. Und an jeder Beerdigung habe ich ihn wieder angezogen, meinen schwarzen Anzug. Und jedes Mal, wenn ich mir die Anzugjacke übergezogen habe, habe ich in der Innentasche das Liedblatt der letzten Beerdigungsfeier gefunden. Oder das Gedenkbildchen für den Toten. Das ist jedes Mal wieder schmerzhaft für mich gewesen: Daran erinnert zu werden, wen ich alles nicht mehr wiedersehen werde.

Mein schwarzer Anzug: Er erinnert mich ans Abschiednehmen-Müssen. Und daran: Auch ich muss irgendwann einmal Abschied nehmen von meinem Leben. Er erinnert mich an meine eigene Endlichkeit. Ich weiß: Jeden Tag, den ich lebe, gehe ich auf meinen Tod zu. Und es könnte ja auch passieren, dass mein Leben ganz schnell vorbei ist. So von einem auf den anderen Tag. Vielleicht durch einen schweren Unfall. Vielleicht durch eine plötzliche unheilbare Krankheit. Keine Angst: Ich laufe jetzt nicht depressiv durch die Gegend und warte nur darauf, dass ich sterbe. Dafür liebe ich mein Leben viel zu sehr. Ich genieße es in vollen Zügen, freue mich an meiner Familie, meinem Zuhause, an der Musik, am Urlaub, an gutem Essen und Trinken, an meinen Freunden. Aber: Ich will vorbereitet sein. Vorbereitet auf den Moment meines Todes. Ganz am Ende will ich sagen können: Ja, mein Leben ist gut so gewesen, auch wenn ich jetzt gehen muss.

Vorbereitet sein: Darauf macht mich auch der Advent aufmerksam. Im Advent kann ich mich als Christ auf ein besonderes Ereignis vorbereiten: Auf eine Geburt. Auf die Geburt von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Sie gehören für mich zusammen: Die Geburt und der Tod. Sie sind der Rahmen eines menschlichen Lebens, der Anfang und das Ende. Klar: Auf die eigene Geburt kann man sich ja irgendwie schlecht vorbereiten. Auf das Ende aber schon. Ich will den Advent auch dazu nutzen, über das Ende nachzudenken. Das klingt vielleicht komisch: vor Weihnachten, vor dem Fest der Geburt über den Tod nachdenken. Aber für mich gehören solche Gedanken zu besinnlichen Zeiten dazu. Advent heißt für mich daher: Einmal inne zu halten. Zeiten und Orte der Ruhe zu finden. Mich zu besinnen. Auf mein Leben zu blicken. Und mein Leben bewusst zu leben.

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