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Kreuz-Geschichte
Bildquelle pixabay

Kreuz-Geschichte

Ein Beitrag von

Sandra Matz,

Pfarrerin, Evangelisches Gemeindenetz an der Nördlichen Bergstraße, Alsbach

Meine Freundin Mareike zieht bald in eine größere Wohnung. Ich sitze auf dem Küchenboden und wickle ihr Porzellan in Zeitungspapier. Zwischen Kartons, Kaffee und Keksen fragt sie: „Hast du das Kreuz etwa auch schon eingepackt? Das muss noch hierbleiben! Das verlässt immer erst ganz am Ende mit mir zusammen eine Wohnung.“

Mareike ist schon öfter umgezogen – zuerst wegen des Studiums, dann wegen Sebastian, und jetzt wegen ihrer neuen Stelle. Ja, ich hatte das Kreuz schon eingewickelt. Es ist handtellergroß, cremefarben und bis eben hing es noch im Flur. Weil es auch aus Porzellan ist, hab ich es zum Geschirr gepackt. Mareike kramt in der Kiste herum. „Ich habe es zur Konfirmation geschenkt bekommen.

Seitdem begleitet es mich überall hin.“ Dann wickelt sie es aus. In den Ecken steht in Großbuchstaben „ICH BIN BEI EUCH.“ Jetzt fängt Mareike an zu erzählen, von den Ängsten und Sorgen, aber auch von den Träumen, die sie hatte, als sie das Studium begann. Oder wie schwer das war mit der Trennung von Sebastian damals. Aber dass sie ohne diese Trennung ja nicht ihren neuen Freund kennengelernt hätte. Beim Erzählen liegt das Kreuz die ganze Zeit sanft in ihrer Hand.

Mareike verbindet mit diesem Kreuz nicht nur all die Umzüge. Es erinnert sie daran, dass sie in den Höhen und Tiefen ihres Lebens nicht alleine war. Und das gibt ihr Kraft und Trost, auch den nächsten Schritt gelassen anzugehen. Erst als wir alles eingepackt haben, wickelt sie das Kreuz ein und legt es obenauf in die letzte Kiste. Damit sie es zuerst auspacken kann.

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