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Keine Ahnung
Bild: Tumisu/Pixabay

Keine Ahnung

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer landeskirchlicher Pfarrer, Kassel
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Keine Ahnung, was heute oder morgen auf mich zukommt. Ich bin auch nicht sicher, ob ich diese Ahnung wirklich haben will. Na gut, manchmal habe ich tatsächlich eine Ahnung, ein Bauchgefühl. Zum Beispiel, wenn ich bei der Arbeit auf Entscheidungen von anderen Leuten warten muss. Und es dauert und dauert. Da überlege ich schon, was das bedeutet. Und dann spekuliere ich: Was könnte das heißen? Und dann kommt diese Ahnung, das undeutliche Vorgefühl: Das wird nichts. Ich stelle mich innerlich schon mal drauf ein. Und so kommt es dann auch. Habs ja geahnt.

Das Gegenteil gibt’s aber auch: Ich konnte doch nicht ahnen, dass es so weit kommt. "Zum Glück", sage ich.

Ahnung kann nämlich lähmen, Angst machen. Hätte ich etwas geahnt, wäre ich heute Nacht vor Unruhe erst gar nicht eingeschlafen. Dann lieber ahnungslos und ausgeruht. So wie ein kleines Kind.

Ahnen oder nichts ahnen. Ich weiß nicht, was besser ist. Vorahnung oder ahnungslos zu sein, ändert ja nichts. Was kommt, kommt, da hilf auch kein Bauchgefühl. Du musst positiv denken, höre ich. Auch das hilft nicht. Wenn es schlimm kommt, kann ich es ja nicht weglächeln. Mich hat beeindruckt, was Gloria von Thurn und Taxis, die exzentrische Talkshow-Provokateurin mal erzählt hat. Sie war 30 Jahre alt, als ihr Mann starb. "Um das zu verkraften", sagt sie, "konnte ich Gott sei Dank auf das zurückgreifen, was mir von Kindheit an beigebracht wurde: Lege deine Sorgen unters Kreuz, und leiste dem Herrn mit deinen Ängsten und Sorgen Gesellschaft."

Jesus Gesellschaft leisten, sich zu ihm setzen. Meine Ängste und Sorgen, meine unguten Gefühle unters Kreuz legen. Ich glaube, ich müsste gar nichts sagen. Jesus hätte schon eine Ahnung, wie es mir geht.

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