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Kein Ende in Sicht
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Kein Ende in Sicht

Ksenija Auksutat
Ein Beitrag von

Ksenija Auksutat,

Evangelische Pfarrerin, Stockstadt
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Die Bilder vom Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben viele Menschen um Worte ringen lassen. So viele Tote, solch ein Ausmaß an Zerstörung durch eine Naturkatastrophe hat Deutschland seit langem nicht erlebt. Journalist*innen, aber auch Betroffene sprachen von Sintflut angesichts der Wassermassen, die Dörfer und Städte überspült haben.

Sintflut - die Geschichte aus der Bibel

Sintflut. Das ist die Geschichte aus der Bibel, die erzählt: Gott hat bereut, dass er die Menschen geschaffen hat. Gott sieht: Die Menschen verhalten sich böse. Nur einer findet Gnade vor Gottes Augen: ein Mann namens Noah. Gott trägt ihm auf, ein großes Boot zu bauen, die Arche. Darin finden Noah, seine Familie und von jeder Tierart ein Paar Schutz. Alles übrige Leben geht unter in wochenlangen Regenfluten, die den Meeresspiegel steigen lassen. Am Ende ragen nur noch Berggipfel aus dem Wasser. Dann stoppt Gott die Flut. Die geretteten Menschen und Tiere können wieder aus der Arche.

Gott gibt ein großes Versprechen

Aber damit beginnt keine schöne neue Welt mit nur noch guten Menschen, die alles richtig machen. Die Menschen sind dieselben geblieben – fähig zu Gutem und zu Bösem. Aber bei Gott hat sich etwas verändert. Gott macht sich nicht mehr vom Verhalten der Menschen abhängig. Gott gibt ein großes Versprechen: „Ich will die Erde wegen der Menschen nicht mehr verfluchen. Die Erde soll bestehen.“ (1. Mose 8,21 ff)

Der Mensch muss die Schöpfung achten

Ein erstaunlicher Moment in der biblischen Weltgeschichte: Es dreht sich nicht mehr alles um den Menschen. Die Erde hat ihr eigenes Lebensrecht bei Gott. Das bedeutet nicht: Der Mensch kann tun und lassen, was er will. Gott wird die Welt schon bewahren. Vielmehr: Der Mensch muss das eigene Lebensrecht der Schöpfung achten.

Die Klimakathastrophe eine Apokalypse?

Flut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig in anderen Ländern Hitze weit über den normalen Sommer-Temperaturen. Waldbrände in gewaltigem Ausmaß. Die Nachrichten machen Angst. Die Klimakatastrophe wird plötzlich anschaulich. Das ist ja wie eine Apokalypse, sagen manche. Apokalypse meint das Ende der Welt, wie wir sie kennen.

Der Song „This is the End“ von den Doors liefert einen Soundtrack zum Untergang. Das ist das Ende, singen sie. Die Apokalypse.

Musik: This is The End

"Apocalypse now"

Mit diesem Song „This ist the End“ von den Doors endet der Film „Apocalypse now“. „Apokalypse jetzt“ – das war Ende der 70er Jahre ein Kinofilm von Francis Ford Coppola. Er spielt im Vietnamkrieg und zeigt, wie alles in Chaos und Leid versinkt. Weil die Menschen falsch handeln, weil sie nur ihre eigenen Interessen verfolgen, weil Gemeinschaft nichts zählt.

Heute ist wieder von Apokalypse die Rede. Gemeint sind Klimazerstörung, Ansteigen der Weltmeere, Weltuntergang. Das ist, kurz gesagt, der Dreischritt, mit dem manche heute das Ende der Welt kommen sehen.

Apokalypse ist eine Vorstellung aus dem allerletzten Abschnitt in der Bibel. Was es damit auf sich hat, dazu mehr nach der Musik.

Musik

Apokálypsis Jesu Christu

Das letzte Buch in der Bibel beginnt mit den Worten: Apokálypsis Jesu Christu. Das heißt übersetzt: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi.“ Dieses letzte Buch der Bibel wird oft einfach Apokalypse genannt. Darin geht es um eine Offenbarung, eine geheime Botschaft wird enthüllt. Das Buch wurde im 1. Jahrhundert nach Christus von einem Mann, der sich Johannes nennt, auf der griechischen Insel Patmos geschrieben.

Die apokalyptischen Reiter des Johannes

Johannes wendet sich an sieben Gemeinden in Kleinasien. Dort lebten Anhängerinnnen und Nachfolger von Jesus Christus, die im römischen Reich als Staatsfeinde verfolgt wurden. Johannes, der Verfasser der biblischen Apokalypse, konnte sich nicht offen gegen die damaligen Machthaber stellen. Darum beschreibt er die Bedrohung in Bildern: Mehrere Reiter mit Bogen und Schwert kommen auf weißen, schwarzen und feuerroten Pferden – die sogenannten apokalyptischen Reiter. Die Erde bebt, es gibt eine Sonnenfinsternis, es ist, als würde sich der Himmel zusammenfalten. Hagel und Feuer zerstören alles. So geht die Welt zu Ende, malt sich Johannes die Apokalypse aus.

Jetzt kommt das Ende der Welt

Wer das Buch liest, kommt sich vor wie in einem Fantasy-Roman. Engelwesen kommen darin ebenso vor wie Himmelserscheinungen. Es wirkt unverständlich. Wissenschaftler*innen rätseln bis heute über dem Sinn der biblischen Apokalypse. Aber genau weil sie so geheimnisvoll wirkt, wurde dieses Buch besonders gelesen, wenn Notzeiten herrschten. Pest, Kriege und Naturkatastrohen haben Menschen früher dann so verstanden: Jetzt kommt das Ende der Welt. Wir sind verloren.

Gott will nicht den Tod, sondern das Leben

Aber in der Bibel hat dieses Buch einen ganz anderen Sinn. Es ist ein Hoffnungsbuch. Wir sind nicht verloren, sondern gerettet. Jesus Christus ist selbst durch Sterben und Tod hindurch gegangen. Jesus Christus sitzt an der Seite Gottes. Er hat Macht über alle Gewalten und Naturkatastrophen. Es gibt keine gegengöttlichen Kräfte mehr, nicht einmal der Tod hat noch Macht. Jede und jeder darf hoffen auf ein Leben ohne Leid, ohne Bedrohung. Die Apokalypse in der Bibel ermutigt dazu, nie die Hoffnung aufzugeben, sondern auf Gott zu vertrauen, daran festzuhalten: Gott will nicht den Tod, sondern das Leben.

Musik

Hoffnung schöpfen aus der Offenbarung

Hoffnung schöpfen. Tun, was nötig ist. Darauf vertrauen: Gott will nicht den Untergang, sondern das Leben. Daran halte ich mich auch angesichts der Katastrophen, die wir vor Augen haben. Schon seit 30 Jahren beschreiben Wissenschaftler*innen die Folgen des industriellen Wirtschaftens. Weltweit erstellen sie Klimatabellen, Messlisten und Berichte, die in Konferenzen öffentlich debattiert und überprüft werden.

Die Extreme des Klimawandels müssen benannt werden

Die Forscher weisen auch auf Extreme hin, selbst wenn sie wenig wahrscheinlich sind. Wenn etwa ab einem bestimmten Meeresspiegelanstieg plötzlich die einfache Deicherhöhung nicht mehr ausreicht, sondern auf lange Sicht ganze Städte umgesiedelt werden müssen. Oder wenn es mit ein paar Grad Erwärmung nicht einfach nur unangenehmer wird, sondern Hitze und Feuchtigkeit die Grenzen der Belastbarkeit für uns Menschen überschreiten. Diese Gefahren müssen benannt und in allen politischen Gremien zum Thema werden.

Den Klimawandel leugnen oder an den klimabedingten Zusammenbruch glauben

Aber die jahrelangen Diskussionen machen vielen Menschen inzwischen Angst. Es gibt eine große Gruppe von Klimawandel-Leugnern, die einfach die Augen vor allen Erkenntnissen verschließen. Und andere, die den klimabedingten Zusammenbruch der Gesellschaft erwarten wie die Apokalypse in einem Kino-Film.

Viele werden aktiv für eine bessere Welt

Wie gut, dass es auch sehr viele gibt, die aktiv werden: Ob Greta Thunberg und Umweltaktivist*innen wie Fridays for Future oder einfach Leute, die auf ihren Lebensstil achten: Sie werden aktiv für eine bessere Welt und eine gute Zukunft. Für die Menschheit, für Tiere und für Pflanzen.

Der letzte Reiter der Apokalypse ist unbewaffnet

In der Apokalypse in der Bibel, im Buch der Offenbarung, steht übrigens auch ein Appell an die Vernunft: „Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege!“ (Offbarung 13,18) Und am Ende kommt noch ein Reiter auf einem weißen Pferd. Aber der ist nicht bewaffnet, hat kein Schwert und keinen Bogen. Sondern er kämpft „mit Gerechtigkeit“ (Offbarung 19,11).

Für mich ist das eine Ermutigung: Die Apokalypse wird von Gott nicht als Weltuntergang kommen. Die Apokalypse in der Bibel bestärkt, immer neu das Leben zu suchen. Für alle Geschöpfe: Menschen, Tiere und Pflanzen. In einer gerechten Welt.

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